
Streuobstwiesen prägen das Landschaftsbild und fördern die biologische Vielfalt. Verschiedene Höhen- und Alterklassen bei den Bäumen sowie Abwechslung bei den verwendeten Obstsorten machen den Lebensraum Streuobstwiese für eine große Zahl von Vögeln, Säugetieren, Insekten, Spinnen, Würmern oder Schnecken interessant. Eine extensive Bewirtschaftung des Unterwuchses fördert den Naturwert zusätzlich.
Höhlenbewohnende Vögel wie Mittelspecht, Grünspecht oder mittlerweile seltene Arten wie Wiedehopf und Steinkauz sind hier ebenso gerne zu Hause wie der Siebenschläfer.
Der Bestand dieser wertvollen Lebensräume hängt in erster Linie von der Nutzung ab. Regionale, bäuerliche Produkte wie sortenreiner Most oder Edelbrände werden wieder verstärkt nachgefragt. Trotzdem bleibt mancherorts Fallobst in großen Mengen ungenutzt am Boden liegen. Daher ist es ein Anliegen von Naturschutz und Landwirtschaft, den Wert des heimischen Obstes wieder in das Bewusstsein der Menschen zu rücken.
Initiativen wie das "NÖ Obstservice" oder Veranstaltungen wie der "NÖ Obstbaumtag" sind nur zwei Bausteine dazu. Zusätzlich werden die Erhaltung von Streuobstwiesen im Rahmen der ÖPUL-Naturschutzmaßnahmen und die Neuanlage durch den NÖ Landschaftsfonds gefördert.
Der Ratgeber "Biologischer Obstbau auf Hochstämmen" zeigt, dass diese extensive Produktionsform bei umsichtiger Planung ökologisch und wirtschaftlich erfolgreich sein kann.
Die Artenvielfalt von Streuobstwiesen wird auch in der vom Naturschutzbund initiierten Kampagne "überleben" aufgezeigt (zum Vergrößern anklicken):
Das NÖ Obstservice ist eine Einrichtung in Kooperation mit dem Verein Arche Noah.
Wir bieten Sortenberatung, Sortenbestimmung und die Durchführung von Schnittkursen an.
Jährlich werden mehr als 500 Anfragen rund um die richtige Sortenwahl, zu Pflanzung, Schnitt und Pflege sowie zu Eignung und Verwendung bestimmter Sorten beantwortet und rund 100 Sortenbestimmungen durchgeführt.
Das Angebot im Überblick (zum Vergößern anklicken):
Kontakt
Verein ARCHE NOAH
Obere Straße 40
A-3553 Schiltern bei Langenlois
DI Roland Gaber
Tel.: 02734/8626-17 oder 0676/777 45 83
Fax: 02734/8627
Das Beiblatt zur Obstsortenbestimmung sowie Termine für die Schnitt- und Veredelungskurse sind auf den Arche Noah-Internetseiten abrufbar.
Die Obstsortenmappe ist eine Sammlung von Steckbriefen zu alten Obstsorten und umfasst bereits weit mehr als 200 Kurzbeschreibungen von Apfel-, Birnen-, Quitten-, Kirschen-, Zwetschken und Marillensorten. Sämtliche Sortenblätter sind auf den Arche Noah-Internetseiten abrufbar.
Der NÖ Obstbaumtag ist eine von der Naturschutzabteilung des Landes gemeinsam mit dem Verein Arche Noah durchgeführte Publikumsveranstaltung, die jedes Jahr die Obstsortenvielfalt einer ausgewählten Region in den Mittelpunkt stellt.
Dem Obstbaumtag gehen Sortenrecherchen und Sortenbestimmungen voraus - die gefundenen Obstsorten können beim Obstbaumtag verkostet und manche davon gleich als Bäumchen mit nach Hause genommen werden. Unsere Experten beraten die Besucher bei der Wahl geeigneter Obstsorten für ihren Garten und bestimmen auch die Sorten mitgebrachter Früchte.
So soll auf die regionale Obstsortenvielfalt aufmerksam gemacht und der Naturschutzwert des extensiven Obstbaus und der Streuobstwiesen aufgezeigt werden.
Alte Obstsorten aus dem Ysper- und Weitental
Beim Obstbaumtag 2007 wurde die Sortenvielfalt der Region Ysper- und Weitental präsentiert. Die Räumlichkeiten für die Veranstaltung wurden freundlicherweise von der Höheren Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft in Ysper zur Verfügung gestellt. Die Schule stellt das nachhaltige Wirtschaften in den Mittelpunkt und hat sich daher als idealer Partner für den Obstbaumtag angeboten. In einem Schulprojekt wurden in der Region 23 Obstgärten mit 890 Apfel- und Birnbäumen zur Sortenbestimmung aufgesucht. Dabei konnten 92 Apfel- und 57 Birnensorten bestimmt werden. Besonders seltene und wertvolle Sorten werden vom Verein Arche Noah vermehrt und im nächsten Jahr als Jungbäume angeboten.
Das Schulprojekt hat die Biologielehrerin Dipl.-Ing. Martina Schmidthaler geleitet. Sie ist Mitglied im Verein „Neue alte Obstsorten", hat dort Sortenforschung betrieben und das Buch „Die Mostbirne - die Früchte des Mostviertels" publiziert. Ihr Anliegen ist es, das umfangreiche Sortenwissen von nur noch wenigen älteren Menschen zu bewahren und an die kommenden Generationen weiterzugeben. Für Ihr Engagement zur Erhaltung der Obstsortenvielfalt in Niederösterreich wurde Frau Schmidthaler am Obstbaumtag von Naturschutzlandesrätin Karin Kadenbach geehrt.
Im Yspertal stand seit jeher die Eigenversorgung mit Frischobst im Vordergrund - die meisten Obstbäume sind daher in den Hintausgärten der Bauernhöfe zu finden. Einerseits brauchte man das Frischobst für Familie und Gesinde, andererseits zur Produktion von Most als Erfrischungsgetränk bei der Feldarbeit.
Heute sind die Familien auf den Höfen kleiner, der Bedarf an Obst ist geringer. Dafür greifen nun vermehrt Wirtshäuser und Mostheurige der Region auf die Sortenschätze in den Bauerngärten zurück.
Die Rechercheergebnisse zu regionaler Sortenvielfalt, lokaltypischen Sortenbezeichnungen und zur Obstnutzung sind in den folgenden Plakaten zusammengefasst (zum Vergrößern anklicken).