Aktionsplan Biber

NÖ Bibermanagement

Ein Biber im Unterholz
© Marlene Mann

Ausgangslage
Mitte des 18. Jahrhunderts kam es durch übermäßigen Jagddruck zur Ausrottung des Bibers in Österreich. Er wurde sowohl als Speise in der Fastenzeit, zur Herstellung von Hüten aus Biberfell und als Aphrodisiakum (in Form des Bibergeils) genutzt. Die letzten zwei Biber wurden 1863 in Fischamend (NÖ) bzw. 1869 bei Anthering (Salzburg) erlegt.
Zwischen 1976 und 1982 erfolgten im Rahmen von Artenschutzprojekten der Biologische Station Wilhelminenberg unter Prof. Dr. Otto König im Gebiet der Lobau und den Donauauen östlich davon mehrere Wiederansiedelungsversuche mit europäischen Bibern aus Schweden und Polen. Der erste Schritt für die Rückkehr des Bibers nach Österreich war somit getan. Die Zuwanderung von Tieren aus angrenzenden Nachbarländern, vor allem aus Deutschland (Bayern), Tschechien und der Slowakei unterstützt das österreichische Vorkommen zusätzlich.

Körperbau
Der europäische Biber (Castor fiber) wird bis zu 1,3 m lang und kann ein Gewicht von mehr als 30 kg erreichen, damit ist er Europas größtes Nagetier. Er hat ein extrem dichtes und wasserfestes Haarkleid, das ihn vor kaltem Wasser schützt. Sein stromlinienförmiger Körper und der abgeflachte Schwanz ("Kelle"), der  als Fettspeicher dient, sowie die Schwimmhäute zwischen den Hinterzehen unterstreichen die gute Anpassung an das zeitweilige Leben im Wasser. Die Vorderfüße des Bibers sind klein, haben kräftige Krallen und dienen zum Graben und Greifen. Mit seinen charakteristischen Nagezähnen kann ein Biber Bäume mit einem Durchmesser bis zu 10 cm innerhalb einer Nacht fällen. 

Der Lebensraum des Bibers
© Rosemarie Parz-Gollner

Lebensraum
Strukturreiche Auwälder, wo das Wasser nur langsam fließt oder überhaupt steht, bilden den Kernlebensraum des Bibers. Ausgehend von diesen Flächen hat er sich auch an anderen Gewässern wie kleineren Bächen oder an (Feld-) Drainagen angesiedelt, die er entsprechend seinen Anforderungen gestaltet. Als typischer "Flachländer" geht er dabei normalerweise nicht über eine Seehöhe von 800 m hinaus. Voraussetzung für eine Besiedelung durch den Biber ist, dass das Gewässer eine gewisse Tiefe aufweist, so dass er schwimmend bzw. tauchend in seinen Bau gerät und auch die Nahrung schwimmend erreichen kann. Sollte das nicht der Fall sein, kann er Gewässer auch aufstauen.

Jede Biberfamilie hat ihr eigenes Revier, das von den Familienmitgliedern durch ein Sekret aus den so genannten Bibergeildrüsen markiert wird. Je nach Nahrungsangebot kann sich ein Biberrevier über eine Länge von 1-3 Kilometern erstrecken. Entlang dieses Abschnittes wird jedoch meist nur ein Uferstreifen von etwa 20 m Breite genutzt.

Lebensraum des Bibers
© Wolfgang Vogel

Der Biber als Gestalter
Die Tätigkeit des Bibers bewirkt, dass es zu einer Veränderung des Grundwasserspiegels kommt und neue Strukturen am Gewässer entstehen, die wiederum einen Beitrag zur Steigerung der Artenvielfalt leisten. Es entstehen für Amphibien und Reptilien relevante Feuchtflächen, gewässernahe Baumbestände werden aufgelichtet und von Lichtbaumarten wie z.B. Eschen, Weiden, Pappeln neu besiedelt, die wiederum Tierarten wie Insekten, Käfern, aber auch Reptilien oder Amphibien als Lebensraum dienen. Ins Wasser gefallenes Astwerk wird vor allem von Jungfischen gerne als Unterschlupf aufgesucht.

Weichholz - Nahrung des Bibers
© Rosemarie Parz-Gollner

Ernährung
Biber ernähren sich rein vegetarisch wobei ihre Nahrungspalette rund 300 Pflanzenarten umfasst. Im Sommer stehen v.a. krautige Pflanzen und Knospen von Weichhölzern auf ihrem Speiseplan, daneben aber auch Mais, Zuckerrüben oder Sonnenblumen von gewässernahen Ackerflächen. Bäume und Sträucher dienen vor allem als Winternahrung, es wird jedoch lediglich die Rinde gefressen, nicht das Holz. Als Wintervorrat legen sich Biber vor dem Eingang des Baues ein aus Ästen und Zweigen bestehendes "Nahrungsfloß" an. Davon können sie sich dann auch bei zugefrorener Wasseroberfläche ernähren.

Fortpflanzung und Revierverhalten
Biber leben monogam und die meiste Zeit im Familienverband. Dieser umfasst die Eltern und die letzten beiden Jugendgenerationen. Die Paarung erfolgt zwischen Januar und Februar im Wasser und nach einer Tragzeit von ca. 105 Tagen kommen ein bis drei Junge zur Welt. Jungbiber leben bis zur Geschlechtsreife mit etwa zwei Jahren im elterlichen Revier, danach müssen sie sich ihr eigenes Revier suchen. Diese wandernden Tiere leben auf der Suche nach einem Revier und einem Partner eine Zeit lang als Einzelgänger.

Je größer die Population ist, desto schwieriger wird es für die jungen Biber, eigene Reviere zu finden. Rund ein Drittel der alljährlich auf Reviersuche befindlichen Biber kommt so bei Revierkämpfen mit Artgenossen im Frühjahr ums Leben. Biber regulieren ihre Populationsgröße mit dem Reviersystem, eine Massenvermehrung ist demzufolge nicht möglich. Zudem kommt es bei größeren Beständen zu einem vermehrten Auftreten von Krankheiten bzw. Parasitenbefall.

Schwimmender Biber
© Johanna Sieber

Verbreitung und Gefährdung
Die Hauptverbreitungsgebiete in Niederösterreich liegen in den Donauauen, in den Marchauen östlich von Wien (Nationalparkgebiet) und in den Tullnerfelder Donauauen (Natura 2000-Gebiet) sowie an angrenzenden Fließgewässereinzugsgebieten. So ist auch die Wachau bis zur OÖ- Landesgrenze, der Südosten von Wien (Fischa, Schwechat), die "Feuchte Ebene" (Industrieviertel), das Marchfeld, das Weinviertel, Kamptal und Krems und südliche Donauzubringer im Mostviertel (Melk, Traisen) besiedelt. Der derzeitige Bestand in Niederösterreich wird auf knapp 4000 Biber geschätzt.

Häufige Todesursachen v.a. der jungen, unerfahrenen Biber sind der Verkehr, die Umstellung von Muttermilch auf Grünfutter oder Hochwässer. Nur 25 bis 50 % einer Jugendgeneration erreichen ein Alter von zwei Jahren. Junge Biber können aber auch Raubfischen, Hunden oder Füchsen zum Opfer fallen.

Lebensraum des Bibers
© Marlene Mann

Kontroversen
Die fortschreitende Landnutzung durch den Menschen (Landwirtschaftliche Nutzungen bis zum Gewässerrand, Trockenlegung von Feuchtflächen, Regulierung von Flüssen...) führte dazu, dass ideale Lebensräume für den Biber selten sind. Biber siedeln demzufolge auch in den vom Menschen genutzten Bereichen, wodurch es zu Nutzungskonflikten in den Bereichen

  • Infrastruktureinrichtungen (Siedlungsgebiet, Wegeanlagen)
  • Wasserbautechnische Strukturen (Hochwasserschutz, Beeinträchtigung von Kleinkraftwerken) 
  • Teichanlagen und Fischzuchten 
  • Land- und Forstwirtschaft (durch Vernässung oder Nutzung von Feldfrüchten) kommen kann.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Internationales Recht & Nationales Recht

Im internationalen Recht ist der Biber als "geschützte Tierart" in der Berner Konvention und in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH - Richtlinie, RL 92/43 EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen; Anhang II und Anhang IV) verankert. Seine Nennung im Anhang II der FFH-Richtlinie regelt, dass für den Erhalt dieser Art Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Im Anhang IV befinden sich all jene Tier- und Pflanzenarten zu deren Schutz entsprechende Artenschutzbestimmungen einzuhalten sind. Die Verpflichtungen der FFH-Richtlinie sind im NÖ Naturschutzgesetz 2000 umgesetzt, das in §18 Abs. 4 die Verbote für besonders geschützte Arten, wie den Biber, regelt.

 

Meldung von Totfunden

Im Zuge der Beobachtung der Populationsentwicklung werden von der Abteilung Naturschutz auch Informationen zu Totfunden (z.B. Straßenverkehrsopfer) in die Datenbank aufgenommen, um ein möglichst umfassendes Bild zur Bestandsituation zu erhalten.

Bei Auffinden eines toten Bibers bitten wir Sie daher, dies der Abteilung Naturschutz mit Datums- und Ortsangaben mitzuteilen

 

Verhalten gegenüber Wildtieren

Es wird hier auch darauf aufmerksam gemacht, dass bei einem direkten Zusammentreffen mit Wildtieren, so auch mit dem Biber, mit Bedacht und Respekt vorzugehen ist. Insbesondere, wenn es sich um ein offenbar verletztes Tier handelt, wird dringend davon abgeraten, diesem zu nahe zu kommen oder es zu berühren. Ebenso wie führende Muttertiere, können auch verletzte Tiere natürlicher Weise mit einem aggressiverem Abwehrverhalten gegenüber potenziellen Feinden reagieren. Um solche Missverständnisse zu vermeiden, ist es besonders wichtig, die Leinenpflicht für Hunde und das allgemeine Wegegebot einzuhalten. Wird ein verletztes Tier gefunden, kann der zuständige Jagdausübungsberechtigte informiert werden. 


Kontakt & Anlaufstellen

Allgemeine Informationen

Amt der NÖ Landesregierung 
Abteilung Naturschutz
Landhausplatz 1, 3109 St. Pölten
E-Mail: post.ru5@noel.gv.at


Sachkundiges Organ für die Beurteilung gemäß § 2 Abs. 3 NÖ-Biber VO

im Bereich von Hochwasserschutzbauwerken oder sonstigen Dammbauwerken: zuständige Regionalstelle der Abteilung Wasserbau, Amt der NÖ Landesregierung

Regionalstelle Waldviertel
Frauenhofnerstraße 2, 3580 Horn
post.wa3waldviertel@noel.gv.at

Regionalstelle Weinviertel
Winzerschulgasse 50, 2130 Mistelbach
post.wa3weinviertel@noel.gv.at

Regionalstelle Mostviertel
1) Landhausplatz 1, Haus 4, 3109 St. Pölten
post.wa3@noel.gv.at
2) Preinsbacherstraße 11, 3300 Amstetten
post.wa3mostviertel@noel.gv.at

Regionalstelle Industrieviertel
Ungargasse 33, 2700 Wr. Neustadt
post.wa3industrieviertel@noel.gv.at


Im Bereich von Kläranlagen und Fischaufstiegshilfen oder öffentlichen Einrichtungen (Kindergärten, Schulen, etc...) mit gewässerbegleitendem Baumbestand:
zuständige Bezirkshauptmannschaft bzw. Magistrat in Städten mit eigenem Statut (Bezirksforsttechniker und Bezirksförster, dezentrale Gewässeraufsichtsorgane)


Antragstellung für Ausnahmebewilligungen

Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Naturschutz
Landhausplatz. 1, 3109 St.Pölten 
E-Mail: post.ru5@noel.gv.at



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Ihre Kontaktstelle des Landes für Artenschutz

Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Naturschutz
Landhausplatz 1, Haus 16 3109 St. Pölten E-Mail: post.ru5@noel.gv.at
Tel: 02742/9005 - 15237
Fax: 02742/9005 - 15220   
Letzte Änderung dieser Seite: 5.6.2018
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