Aktionsplan Fischotter


Fischotter
© wolfgangdolak.com

Ausgangslage
Der bei uns heimische europäische Fischotter (Lutra lutra) gehört zu den Marderartigen und ist auch außerhalb Europas vertreten. Seine natürliche Verbreitung erstreckt sich vom Westen Irlands bis in den äußersten Osten Sibiriens. Des Weiteren besiedelt er Südostasien und Indien. Ursprünglich war der Otter in ganz Österreich verbreitet. Über Jahrhunderte führten Jagd, Verfolgung, Lebensraumverlust sowie die Verschmutzung der Gewässer und der damit einhergehende Einfluss auf seine Nahrungsgrundlage zu einer starken Gefährdung dieser Tierart. Im Waldviertel, im nördlichen Niederösterreich, waren Fischotter nie ganz ausgestorben, da hier immer Zuwanderungsmöglichkeiten von v.a.Tschechien gegeben waren. Die durch Teichwirtschaft geprägte Kulturlandschaft, die eine stabile und reichliche Nahrungsgrundlage bietet, die verbesserte Wasserqualität in Fließgewässern sowie der strenge jagd- und naturschutzrechtliche Schutz sind Gründe, die dazu führten, dass sich der Fischotter in Österreich langsam wieder aus eigener Kraft (ohne Aussetzungsprojekte!) ausbreitete.

Der Lebensraum des Fischotters
© Ökostation Waldviertel

Lebensweise
Aufgrund seines Nahrungsspektrums ist der Fischotter an Gewässer gebunden. Entsprechend sind Körperform und Sinnesorgane an die semi-aquatische Lebensweise, d.h. an das Leben in der direkten Umgebung von Wasser, angepasst und ermöglichen dem Fischotter hervorragend zu schwimmen und zu tauchen. Als Jäger im Wasser zählen neben Fischen auch Amphibien, Krebse, Wasserinsekten, gelegentlich auch Vögel und semi-aquatische Nagetiere (Bisam) zu seinem Speiseplan.

Lange, empfindliche Tasthaare am Kopf und an den Vorderpfoten ermöglichen dem nacht- und dämmerungsaktiven Fischotter im Dunklen und im trüben Wasser auch geringe Bewegungen von Fischen zu registrieren. Die Beute wird entweder im freien Schwimmen mit den Zähnen gefasst oder mit den Vorderpfoten bei Uferhöhlen gepackt. Naturgemäß jagt der Fischotter dort bevorzugt, wo der Energieaufwand gering und der Fangerfolg hoch ist. Reichhaltige Strukturen am Ufer und im Bachbett sowie die geringe Wassertiefe sind diesbezüglich zentrale Faktoren. Er ist ganzjährig aktiv. Sein Revier muss somit das gesamte Jahr über ein entsprechendes Nahrungsangebot verfügen. Naturnahe Gewässer- und Ufergestaltungen bieten dem Fischotter ein vielfältiges Angebot einerseits an Nahrung, andererseits an Verstecken, in denen er den Tag verbringt, an Rollplätzen (> Fellpflege) und an Wanderrouten. Als Wurfbaue nutzt der Fischotter neben Uferhöhlen auch alte Dachs- oder Fuchsbaue.

Aktuelle Situation

Die oben angeführten Schutzmaßnahmen führten im Laufe der Jahre zu einer Zunahme des Fischotter-Bestandes. Um Lösungen für Interessenskonflikte gegenüber traditionellen Bewirtschaftungsweisen in der niederösterreichischen Kulturlandschaft (Fischerei, Teichwirtschaft), im Rahmen rechtlicher Gegebenheiten entwickeln zu können, hat das Land Niederösterreich 2018 eine flächendeckende Erhebung zur Verbreitung des Fischotterbestandes sowie der Populationsdichte durchgeführt. Anhand von bereits früher erfolgten Kartierungen (1999, 2008) konnten wichtige Rückschlüsse auf die Entwicklung des Fischotterbestandes gezogen werden.

1999 beschränkte sich das Vorkommen fast ausschließlich auf das Waldviertel. 2008 war der Fischotter bereits auch südlich der Donau weit verbreitet nachweisbar. Bis 2018 erfolgte eine weitere Ausbreitung, Niederösterreich ist nach heutigem Stand des Wissens flächendeckend besiedelt.

Der Gesamtbestand an Fischottern wird mit Stand 2018 mit rund 1100 Individuen in Niederösterreich angegeben. Zahlenmäßig hat er sich vom Jahre 1999 bis zum Jahre 2008 ungefähr verdoppelt, innerhalb des Zeitraumes 2008 bis 2018 kam es neuerlich zu mehr als einer Verdoppelung.

Diese Zunahme des Fischotter-Bestandes in Niederösterreich zeigt den Erfolg der nationalen und internationalen Schutzmaßnahmen der letzten Jahrzehnte, gleichzeitig kann dieser Erfolg aber auch mit Nachteilen für andere legitime Nutzungsinteressen einer Kulturlandschaft verbunden sein. Damit Naturschutz - als im öffentlichen Interesse gelegener Themenbereich - die notwendige breite gesellschaftliche Unterstützung erfährt, wurde nun ein Managementplan erstellt, der einerseits den erforderlichen Schutz des Fischotters gemäß FFH-Richtlinie sicherstellt, gleichzeitig aber auch Möglichkeiten einräumt, einen Ausgleich zwischen allen berechtigten Interessen zu fördern. Die seitens des Landes ermöglichte Vorgehensweise baut auf Anwendung des gelindesten zum Ziel führenden Mittels auf. Der Schwerpunkt liegt am Ausbau von Förderungen für Beratungsleistungen und der Zäunung von Teichen. Präventive Maßnahmen wurden und werden seit Jahren laufend umgesetzt und können als weitgehend ausgeschöpft betrachtet werden.

Details dazu entnehmen Sie bitte dem Fischottermanagement NÖ.

Stacheldrahtzaun auf einer grünen Wiese, neben einem Gewässer
© Günther Gratzl

Fördermittel des Landes NÖ bei Anwesenheit des Fischotters
Da das Auftreten von Wildtieren, wie dem Fischotter in der vom Menschen geprägten Kulturlandschaft zu Interessenskonflikten führen kann, wurde vom Land NÖ ein Projekt in Auftrag gegeben, welches Beihilfen für wirksame Maßnahmen zur Schadensvorbeugung bei Teichen fördert und die damit einhergehende Reduktion von Fraßschäden bei Teichen zum Ziel hat.  

Das aktuelle Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Ökologischen Station Waldviertel (Bundesamt für Wasserwirtschaft, BAW) und der ARGE KARPFEN ("Kleine TeichAnlagen Rundum vor Prädatoren Freihalten durch EiNzäunung" durchgeführt.

Außerdem besteht eine Beihilfe aufgrund von Ausfraß der Fischteiche durch den Fischotter. Diese setzt voraus, dass der Teich nach dem derzeitigen Stand der Technik durch Prävention nicht effizient geschützt werden kann.

Information zur Biologie des Fischotters finden Sie in der Fischotter-Broschüre (2017). Aktuelle Informationen zur neuen Fischotter-Förderrichtlinie finden Sie hier sowie auf der Homepage des Teichwirteverbandes inklusive ergänzender Beratungsvideos.

Meldung von Totfunden
Im Zuge der Beobachtung der Populationsentwicklung werden von der Abteilung Naturschutz auch Informationen zu Totfunden (z.B. Straßenverkehrsopfer) in die Datenbank aufgenommen, um ein möglichst umfassendes Bild zur Bestandsituation zu erhalten.
Bei Auffinden eines toten Fischotters bitten wir Sie daher, dies der Abteilung Naturschutz  mitzuteilen. Ein entsprechendes Formular mit allen notwendigen Angaben finden sie hier.

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Ihre Kontaktstelle des Landes für Artenschutz

Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Naturschutz
Landhausplatz 1, Haus 16 3109 St. Pölten E-Mail: post.ru5@noel.gv.at
Tel: 02742/9005 - 15237
Fax: 02742/9005 - 15220   
Letzte Änderung dieser Seite: 20.5.2020
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