
Vom Regiment der niederösterreichischen Lande zur NÖ Regierung
1493 - 1519
Maximilian I. installiert das "Regiment der fünf niederösterreichischen Lande", die Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten und Krain umfassen; diese Behörde ist der Vorläufer der "Niederösterreichischen Regierung".
1513
Die niederösterreichischen Landstände kaufen von den Herren von Liechtenstein in Wien das heutige Haus Herrengasse 13 und richten dort ihren festen Sitz ein (Landhaus); die nun entstehende Ständische Registratur - Urkunden, Bücher und Akten - bildet den Ausgangspunkt für das spätere NÖ Landesarchiv (Ständisches Archiv).
1522 - 1564
Ferdinand I. verbessert die Organisation und Effektivität des Niederösterreichischen Regiments und verlegt dessen ständigen Sitz nach Wien. Die Registratur dieser Behörde ist der Kern für das spätere K.K. Archiv für Niederösterreich (Regierungsarchiv).
1564 - 1576
Maximilian II. beschränkt die Kompetenzen der NÖ Regierung auf Ober- und Niederösterreich.
1705
Die 3798 Pergamenturkunden des Archivs der Landstände werden numeriert; ein Regestenwerk wird angelegt.
1717 - 1723
Das Verordnetenkollegium der NÖ Stände veranlasst eine Neuordnung der Ständischen Registratur; ein genereller Nachschlageindex wird geschaffen - der Codex provincialis; er wird bis 1819 geführt.
1750
Die NÖ Regierung, zu diesem Zeitpunkt als "Niederösterreichische Repräsentation und Kammer" bezeichnet, bezieht im Haus Herrengasse Nr. 23 (Palais Porcia) neue Räumlichkeiten.
1783
Die NÖ Regierung, die nunmehr nur noch für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns zuständig ist, wird in das aufgehobene Wiener Minoritenkloster verlegt. Johann Anton Graf von Pergen, der als Präsident der NÖ Regierung und als Landmarschall von Niederösterreich sowohl an der Spitze der ständischen als auch der landesfürstlichen Verwaltung steht, veranlasst Ordnungsarbeiten in der bisher kaum betreuten Registratur der NÖ Regierung.
Ständisches Archiv und Archiv für Niederösterreich
1837 - 1848
Die NÖ Stände lassen das Landhaus von Ludwig Pichl völlig umbauen und erweitern. Das Landesarchiv und die Landesbibliothek werden im 1. Stock untergebracht; die Anstellung eines systemisierten Landesarchivars ist geplant, fällt aber dem Ausbruch der Revolution (13. März 1848) zum Opfer.
1846 - 1848
In Wien I., Herrengasse 11, wird durch Paul Sprenger ein neues Regierungsgebäude errichtet, das 1849 Sitz der NÖ Statthalterei wird. 1850 wird die Regierungsregistratur in das neue Haus verlegt.
1862
Landesarchiv und Landesbibliothek werden von der Registratur getrennt; es kommt zur Einrichtung eines Archiv-Fachdienstes.
1880 - 1881
Wegen extremen Raummangels müssen in der Regierungsregistratur umfangreiche Skartierungen und Abtretungen von Archivalien vorgenommen werden.
1886
Der NÖ Landesausschuss fordert die Gemeinden Niederösterreichs auf, dem Landesarchiv ihre ältesten Dokumente zur Verwahrung zu übergeben. Dr. Anton Mayer wird zum Kustos des Landesarchives ernannt.
1893
Erich Graf Kielmansegg, der von 1887 bis 1911 Statthalter von Niederösterreich ist, setzt die Errichtung eines Statthaltereiarchives - K.K. Archiv für Niederösterreich - durch. Dr. Albert Starzer und Dr. Karl Giannoni, beide Absolventen des Ausbildungskurses des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, werden angestellt. Archiv und Bibliothek der Statthalterei werden im Parterre und in den Kellern des Statthaltereigebäudes untergebracht.
1895
Dr. Anton Mayer übernimmt als "NÖ Landesarchivar und Bibliothekar" offiziell die Leitung von Landesarchiv und Landesbibliothek.
1904
Kielmansegg‘sche Kanzleireform
Erste Republik - Landessammlungen ohne Wien
1918 - 1919
Zusammenbruch der Monarchie; Bildung einer demokratisch legitimierten Landesregierung.
1922
Das NÖ Landesarchiv wird gemeinsam mit der NÖ Landesbibliothek in das Parterre des Landhauses verlegt. Die Trennung Niederösterreichs von Wien bedingt Abgaben wertvoller Archivalien an die Stadt Wien.
1923
Vereinigung des NÖ Landesarchivs mit dem NÖ Landesmuseum und mit der NÖ Landesbibliothek zu den sog. NÖ Landessammlungen. Das Archiv für Niederösterreich (Regierungsarchiv) bleibt selbständig.
Einheitliches Archiv des Reichsgaues Niederdonau
1938
"Anschluss" an das Deutsche Reich; aus dem Bundesland Niederösterreich wird der Reichsgau Niederdonau.
1940
Über Erlass des Reichsinnenministeriums werden das Landesarchiv und das Archiv für Niederösterreich zum Archiv des Reichsgaues Niederdonau zusammengelegt.
1943 - 1944
Wegen der anhaltenden Gefährdung durch Bombenangriffe der Alliierten werden wertvolle Archivalien in behelfsmäßige Außendepots (Klöster, Schlösser) ausgelagert.
Selbständiges NÖ Landesarchiv und NÖ Institut für Landeskunde
1945
Nach der Wiederentstehung der NÖ Landesregierung bleibt die 1940 erfolgte Vereinigung des Landesarchivs und des Archivs für Niederösterreich aufrecht. Das Archiv wird nun als NÖ Landesarchiv bezeichnet und der Kulturabteilung des Amtes der Nö Landesregierung unterstellt. Wegen der räumlichen Trennung bleiben jedoch die Begriffe Regierungsarchiv und Ständisches Archiv nicht nur historisch, sondern auch administrativ weiterhin relevant. Beide Archivkörper werden als Abteilungen bezeichnet.
1955
Archiv und Bibliothek werden als Abteilung III/3 von der Kulturabteilung getrennt.
1963
Archiv und Bibliothek treten wieder unter die Kulturabteilung.
1967
Die Abteilung Ständisches Archiv wird in das Haus Wien I., Teinfaltstraße 8, verlegt.
1978
Das NÖ Institut für Landeskunde wird als wissenschaftliche Einrichtung des Landes installiert; es ist zunächst Bestandteil der Kulturabteilung. Der Sitz der neuen Institution befindet sich in Wien I., Strauchgasse 1-3.
1983
Das NÖ Landesarchiv wird wieder eine selbständige Abteilung (III/3).
1984
Das NÖ Institut für Landeskunde wird organisatorisch mit dem NÖ Landesarchiv vereinigt.
Neubeginn in Sankt Pölten und Bad Pirawarth
1986 - 1988
In Bad Pirawarth wird in einem ehemaligen Fabriksgebäude eine Außenstelle des NÖ Landesarchivs eingerichtet.
1986
Der NÖ Landtag beschließt die Erhebung St. Pöltens zur Landeshauptstadt.
1988
Das NÖ Institut für Landeskunde wird, nach einer kurzfristigen Unterbringung in Wien I., Wallnerstraße 4 (Palais Esterházy), in die Räumlichkeiten der BH Wien Umgebung (Wien IX, Alserbachstraße 41) verlegt.
1988
Der NÖ Landtag beschließt die Schaffung eines Kulturbezirkes innerhalb des Regierungsviertels. Erstmals seit Bestehen des Archivs und seiner Vorgänger ergibt sich dadurch die Chance, ein eigenes Archivgebäude zu erhalten.
1991/92
Beginn der Planungen des Archivneubaues in St. Pölten durch die Architekten Paul Katzberger und Michael Loudon.
1995
Der Archiv-Rohbau im St. Pöltner Regierungsviertel ist fertiggestellt.
1996
Das Amt der NÖ Landesregierung wird in 12 Gruppen gegliedert. Das NÖ Landesarchiv tritt zur Gruppe Kultur, Wissenschaft und Unterricht.
1997
Von März bis August werden die Bestände des Archivs mit 132 LKW-Transporten nach St. Pölten gebracht und das neue Haus bezogen. Am 18. November 1997 erfolgt die offizielle Eröffnung des neuen Landesarchivs in St. Pölten. Die beiden Abteilungen und das NÖ Institut für Landeskunde sind damit erstmals unter einem Dach vereinigt; die Außenstelle in Bad Pirawarth bleibt bestehen.