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Wasser


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Wasser
in Niederösterreich

Fließgewässer - Situation in Niederösterreich

Der Zustand der Oberflächengewässer wird entsprechend der EU-Wasserrahmenrichtlinie bewertet. Dabei wird zwischen dem „chemischen" Zustand und dem „ökologischen" Zustand unterschieden.

Die Bewertung erfolgt an Hand von Wasserkörpern. Ein Wasserkörper ist ein einheitlicher, in seinen Eigenschaften weitgehend vergleichbarer Fließgewässerabschnitt mit einem Einzugsgebiet größer 10 km² und einer Länge von meistens mehreren Kilometern. In Niederösterreich gibt es 1.362 Wasserkörper mit einer Gesamtlänge von rd. 7.700 km. Eine detaillierte Bewertung jedes Wasserkörpers finden Sie über NGP NÖ.


1. Chemischer Zustand:

Die Bewertung des chemischen Zustandes erfolgt anhand der festgelegten Qualitätsziele für die EU- weit geregelten Schadstoffe (Qualitätsziel VO Chemie Oberflächengewässer).

Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass fast alle Wasserkörper einen zumindest guten Zustand aufweisen. Nur an drei Wasserkörpern in Niederösterreich (0,2 %) wurden Überschreitungen des Qualitätsziels für einen der gemeinschaftlich geregelten Schadstoffe (Tributylzinn) festgestellt.


2. Ökologischer Zustand:

Der ökologische Zustand beschreibt die Qualität eines Gewässers als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Er wird nicht nur mit Hilfe allgemeiner chemisch-physikalischer Parameter (z.B. Nährstoffgehalte, ph-Wert) und national geregelter Schadstoffe (z.B. Ammonium, Nitrit, etc.) berechnet, sondern auch anhand der natürlich vorkommenden Lebewesen im Gewässer bewertet (Qualitätsziel VO Ökologie Oberflächengewässer). Neben den Wasserinhaltsstoffen (früher als biologische Gewässergüte dargestellt) sind nun auch die Gewässerstruktur (Ufer- und Sohldynamik, Vegetation etc.) und der Wasserhaushalt (Abflussmenge und -dynamik) wichtige Kriterien.

Wasserinhaltsstoffe (Biologische Gewässergüte):

Durch den systematischen Ausbau der Abwasserentsorgung von Gemeinden und Industrie hat sich der Zustand der Flüsse und Bäche in den letzten Jahrzehnten entscheidend verbessert. Nachdem in den 1970er- und 1980er-Jahren die meisten größeren Städte und Industrieanlagen mit modernen, biologischen Kläranlagen ausgestatten waren, verlagerte sich in den 1990er-Jahren der Schwerpunkt der Abwasserentsorgung auf ländliche Gebiete (Überblick über die Abwasserentsorgung in NÖ).

Aber auch heute gibt es noch Abschnitte, wo die Gewässergüte nicht den Zielvorstellungen entspricht. Ursache ist ein Zusammenwirken mehrerer ungünstiger Faktoren: Geringe Wasserführung, fehlende Uferstrukturen, diffuse Stoffeinträge und örtliche Defizite bei der Abwasserbehandlung führen zu Belastungen.

Gewässerstruktur:

Je nach geologischen Gegebenheiten, Höhenlage und Niederschlagssituation entwickeln Fließgewässer typspezifische Ausprägungen des Gewässerverlaufes, der Sohle, der Ufer und der Vegetation. Zusammen wird dies „Gewässerstruktur" bezeichnet. Veränderungen aufgrund menschlicher Eingriffe drücken sich auch in der Abweichung der typspezifischen Lebensformen aus. Derzeit weisen rd. 35% der untersuchten Wasserkörper wenige bis keine strukturellen Eingriffe auf. Die übrigen Gewässer sind mäßig bis sehr stark gegenüber ihrer natürlichen strukturellen Ausprägung verändert.

Zur Gewässerstruktur zählen auch Querbauwerke (Wehranlagen, Gefällsstufen, etc.), die für Fische unpassierbare Hindernisse darstellen. Allein die Verhinderung von stromaufgerichteten Wanderungen zu den Laichplätzen kann zu einem deutlichen Rückgang der Fischpopulation bis zum Verschwinden einzelner Fischarten führen. Die Beseitigung von Wanderbarrieren für Fische ist deshalb ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Gewässerqualität.

Gewässerhydrologie (Wasserhaushalt):

Die Wasserführung von Gewässern ist von natürlichen Rahmenbedingungen wie Niederschlag, Geologie, Boden und Vegetation etc. abhängig. Jedes Gewässer hat seine typische hydrologische Charakteristik. Die Gewässerlebewesen und die Vegetation unserer Bäche und Flüsse sind daran angepasst. Nutzungen der Gewässer durch lokale Ausleitung, Stauhaltung oder gänzliche Wasserentnahmen verändern das natürliche Abflussgeschehen.

So sind derzeit in Niederösterreich 20% der Wasserkörper durch Stauhaltungen und 18 % durch Ausleitungen (sog. Restwasserstrecken) beeinflusst.


3. Erster Nationaler Gewässerbewirtschaftungsplan:

Das Wasserrechtsgesetz sieht vor, dass Oberflächengewässer bis längstens 2027 einen guten chemischen und guten ökologischen Zustand aufweisen müssen. Der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) enthält die für die erste Sanierungsphase bis 2015 notwendigen Maßnahmen. Der NGP und die NGP-Begleitverordnung wurden am 31.3.2010 veröffentlicht.

Der Schwerpunkt der ersten Sanierungsphase bis 2015 liegt auf der Wiederherstellung der Fischdurchgängigkeit in den prioritären Gewässerstrecken. Dazu wurde im Mai 2012 das NÖ Sanierungsprogramm 2012 (Verordnung) erlassen.

Der sehr gute und gute chemische Zustand wird für fast alle untersuchten Gewässer erreicht (99%). Im Bezug auf die Überschreitungen des Qualitätsziels Tributylzinn wurden bereits Reduktionsmaßnahmen durch ein EU-weites Verbot des Inverkehrbringes gesetzt.

Der Anteil der Flüsse in Niederösterreich in sehr gutem und gutem ökologischen Zustand beträgt rd. 30%.

Bei rd. 70% aller Oberflächenwasserkörper sind bis 2027 Verbesserungsmaßnahmen notwendig. Der Großteil der Belastungen (rd. 60%) ist auf Defizite in der Gewässerstruktur (Hindernisse für Fischwanderungen und Flussregulierungen) und auf Veränderungen im Abflussgeschehen (Restwasser, Stauhaltungen) zurückzuführen. Nährstoffbelastungen und organische Verschmutzung führen bei rd. 40% der betroffenen Wasserkörper zur ökologischen Zielverfehlung.

Der gute Zustand soll stufenweise bis 2027 erreicht werden. Zuerst werden prioritäre Gewässer (sh. Downloads) saniert (Donau und ihre großen Zubringern). An diesen prioritären Flüssen mit insgesamt 74 Wasserkörpern (das sind 1113 km) wird bis 2015 die Fischpassierbarkeit an 280 Querbauwerken und in rd. 80 Ausleitungsstrecken wieder hergestellt.

Zur Reduktion der Belastungen aus Punktquellen ist bis 2015 im NPG die Sanierung von kommunalen Kläranlagen vorgesehen, die in Wasserkörper mit Zielverfehlung einleiten. Zur Verbesserung der diffusen Belastungssituation werden bereits laufend Maßnahmen umgesetzt, die jedenfalls bis 2015 fortgesetzt werden. Dazu zählen vor allem das Agrarumweltprogramm ÖPUL und auch die Umsetzung des Aktionsprogrammes Nitrat.




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Letzte Änderung dieser Seite: 10.05.2012