Soziale Begegnungen im Alter unter Covid-19

Covid-19 und Social Distancing im Alter. Eine Befragung der Bevölkerungsgruppe 60+ in Niederösterreich im Mai 2020.

Landesrätin Teschl-Hofmeister

Die Corona-Pandemie und die mit ihr einhergehenden Maßnahmen haben das Leben und die Sozialbeziehungen vieler Menschen grundlegend verändert. Alle Generationen wurden vor neue und noch nie dagewesene Herausforderungen gestellt. Eine Gruppe, die dabei besonders im Mittelpunkt stand und auch noch immer steht, ist die der älteren Menschen. 

Mehr als ein Viertel unserer Bevölkerung in Niederösterreich ist 60 Jahre alt und älter. Mit der Studie "Covid-19 und Social Distancing im Alter", beauftragt vom Land Niederösterreich, wird sichtbar, wie ältere Menschen diese herausfordernde Zeit erlebt haben, wie sie sich in den letzten Monaten gefühlt haben und welche Strategien sie entwickelt haben, um am sozialen Leben teilzunehmen, um in Bewegung zu bleiben oder um die physische Distanz zu ihren Familien zu überwinden. Die Ergebnisse der Studie sind wichtige Grundlage für die weitere Arbeit für unsere ältere Bevölkerung in Niederösterreich.

Ihre

Christiane Teschl-Hofmeister

Landesrätin für Bildung, Familien und Soziales 


Covid-19 und Social Distancing

Mit dem Ausbruch der Covid-19 Pandemie mussten sich ältere Personen schlagartig einem neuen Alltag stellen. Besonders während der Phase des Lockdown waren diese Veränderungen stark zu spüren, da strenge social distancing Maßnahmen eingeführt und gelebt wurden. Diese, als Schutz vor Ansteckung dienlichen Maßnahmen, bergen für die ältere Bevölkerung gewisse Risiken in sozialer, kognitiver, versorgungsbezogener und emotionaler Hinsicht. Die Studie "Covid-19 und Social Distancing im Alter", welche im Auftrag des Landes Niederösterreich am Kompetenzzentrum für Gerontologie und Gesundheitswissenschaften der Karl Landsteiner Universität durchgeführt wurde, widmet sich Fragen zum Erleben und Coping der älteren Niederösterreichischen Bevölkerung mit dem Virus. So wurde eine repräsentative Telefonbefragung älterer NiederösterreicherInnen (60+ Jahre) durchgeführt an der 521 Personen im Zeitraum April- Mai 2020 teilnahmen.   


Wahrnehmung der eigenen Rolle in der Pandemie

70% der älteren Menschen fühlen sich als Risikogruppe für eine Covid-19 Erkrankung. Hierbei ist ein Zusammenhang mit dem Alter nicht aber mit dem Geschlecht zu verzeichnen. Als Grund für die Risikoeinschätzung werden vorrangig das Alter und die eigene Gesundheit angegeben. Bei der Frage nach dem Informationsgrad und der Interessenvertretung in der Politik gibt die Mehrheit der Befragten an, sich sehr informiert und gut vertreten zu fühlen.  


Veränderungen im Alltag

Mehr als drei Viertel der Befragten geben an, sehr große oder große Veränderungen in ihrem Alltag wahrzunehmen. Zu deutlichen Veränderungen ist es im Bewegungsverhalten, im Freiwilligenengagement, in der Mediennutzung und in der telefonischen Kommunikation gekommen. Bei etwa der Hälfte der Befragten hat sich das Ausmaß der Bewegung reduziert, wobei eine Bewegungsreduktion besonders für Personen mit schlechterem gesundheitlichen Ausgangszustand zu einer weiteren Verschlechterung ihres Status führen kann. Ein Drittel der älteren Bevölkerung bewegt sich seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie öfter, wobei teilweise eine Verschiebung von Outdoor zu Indoor stattgefunden hat. Kritisch ist der Rückgang beim Freiwilligenengagement, welches sich auf 7% reduzierte. Freiwilliges Engagement ist jedoch wichtig und nicht nur eine Manifestation der Produktivität älterer Menschen, sondern auch einsamkeitsreduzierend.  


Veränderungen sozialer Kontakte und IKT Nutzung

Einsamkeit bleibt trotz Covid-19 auf geringem Niveau – nur ein sehr kleiner Anstieg zum Vorjahr ist zu verzeichnen. Denn trotz räumlicher Distanz konnte der soziale Kontakt aufrechterhalten werden. 49% der Befragten geben an, täglichen (telefonischen, digitalen) Kontakt zu ihren Kindern/ Enkelkindern zu haben, was im Vergleich zu einer Befragung 2019 (Gesundheitsbarometer Alter NÖ) eine Steigerung der Kontaktfrequenz darstellt. Das Telefon bleibt beim Kontakt zwar für viele die erste Wahl (94%), aber auch digitale Kommunikation (Facebook, Whatsapp, Videogespräch) wird immer wichtiger, wenn auch mit deutlichen Unterschieden in den Altersgruppen. Die Mehrheit der 80-Jährigen und Älteren sehen keinen Mehrwert in der Nutzung der neuen sozialen Medien und blieb diesen auch in Zeiten der Pandemie fern.  


Anpassung und Bewältigung der Pandemie

Hilfreich für die Bewältigung von Covid-19 sind an erster Stelle Kontakte zu Familienangehörigen (84%), an zweiter Stelle Freunde (79%). Die Familie hat vor allem bei Personen, die sich der Risikogruppe zugehörig fühlen, d.h. eine höhere Risikowahrnehmung aufweisen, eine große Bedeutung. Handwerkliche Tätigkeiten im eigenen Haus bzw. der eigenen Wohnung und im Garten sind für ältere Menschen in Niederösterreich ebenfalls von großer Bedeutung in Zeiten der Krise. Generell zeigt sich insgesamt eine erhebliche Robustheit älterer Menschen gegenüber den äußeren Veränderungen, welche durch eine Vielzahl von proaktiven Strategien in der alltäglichen Lebensgestaltung erhalten und gestärkt wird. Menschen im Alter sind aktiv und nutzen ihr Aktivitätspotential gezielt, um eine erfolgreiche Bewältigung der Krise zu erreichen.

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Letzte Änderung dieser Seite: 24.8.2020
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