Highlights des Monats
Auf dieser Seite präsentieren wir Ihnen jeden Monat ein neues Objekt aus der NÖ Landesbibliothek.
Analog zur Nationalbibliothek für ganz Österreich ist auch die Niederösterreichische Landesbibliothek einem gesetzlichen Auftrag unterworfen, der sie dazu verpflichtet, das publizistische Schaffen Niederösterreichs, d.h. sowohl das in Niederösterreich verlegte als auch von Niederösterreichern in welcher Funktionsrolle auch immer verantwortete und schließlich auch das Niederösterreich thematisch referenzierende Schrifttum, möglichst lückenlos aufzusammeln. Dieser Pflicht nachzukommen ist das mediengesetzlich statuierte Pflichtexemplarrecht, das die Verleger und Medieninhaber zur Abgabe von Belegexemplaren an die territorial jeweils berechtigte Bibliothek anhält, eine unersetzliche Stütze. Nicht immer aber greift es, so wie zum Beispiel auch bei nachfolgend anzuzeigender Veröffentlichung, die zwar von einem Niederösterreicher in Niederösterreich herausgegeben, aufgrund zu geringer Auflagenzahl rechtlich aber nicht befasst ist und von uns käuflich erworben werden musste.
Dass wir das in diesem Fall gerne getan haben, hat auch mit der besonderen Qualität des erworbenen Objekts zu tun. Es handelt sich dabei um einen Kalender in CD-Form, der vom Pottendorfer bildenden Künstler Gerhard Fassel gestaltet wurde. Fassel, der in der Meisterklasse von Gustav Peichl zum Architekten ausgebildet wurde und anschließend jahrelang in dessen Büro und danach selbständig mit auch international durchschlagendem Erfolg gearbeitet hat, richtete sich in Pottendorf, dem Ort seines Aufwachsens, sein Haus als ein Atelier ein, dass er ab den 2000er Jahren laufend mit genreungebundenen Werkstudien bespielt. Für den vorliegenden Jahreskalender hat er Bilder seines Zyklus „Rote Figuren“ aus 2025 in miniaturisierten Ansichten zu 12 Monatsblättern mit jeweils 4 Datumswochen kompiliert.
Zu jedem Zeitpunkt gibt es Tausende von Kunstwerken, die nicht die vorherrschende Sprache einer bestimmten Kultur sprechen – Werke, die sich dem in der Kunstkritik und in Ausstellungstrends etablierten Begriff von zentral bedeutend oder von nur lokal-peripherer Relevanz widersetzen. Obwohl wir eine pluralistische Kunstkultur haben, gibt es auch eine sich wandelnde Hierarchie der Bedeutung, Vorstellungen davon, welche Kunst einen bestimmten Moment krönt und uns die neueste Episteme über uns selbst vermittelt.
Gerhard Fassels Kunstschaffen fällt in eine Zeit, der postmoderne Cute-, Zani- und Interestingness[i] als gegenwartsästhetische Zentralkategorien gelten. Dies ist eine ungünstige Zeit für, sagen wir mal, eine Kunst der Distanz. Ich meine damit nicht nur die Konzeptkunst, sondern jede Kunst, die von selbstkritischer Absicht und einer Anerkennung des Kontexts geprägt ist. Der aktuelle Geschmack tendiert eher zur Kunst des ‚Selbstausdrucks‘ – organisch, explosiv, repetitiv, obsessiv – als zu Kunst, die eine Perspektive auf ihre eigenen Materialien zeigt und eine gewisse Ruhe, ein gewisses Maß, eine fokussierte Ansprache beinhaltet. Menschen, die sich Kunst als protzig-dekorative Ausstellung ihres Distinktionsnarzissmus wünschen, werden Fassels Werk als äußerst irritierend empfinden. Aber auch jene anderen, die bei jedem Beispiel von Kunst als praktischem politischem Werkzeug ins Schwärmen geraten, wie hilflos-ungeschickt es auch eingesetzt sein mag, werden dieses Werk für ‚falsch‘ halten. Fassel ist ein Künstler, dessen Antwort auf jede der heute so beliebten Multiple-Choice-Fragen ‚keine der oben genannten‘ lauten würde.
Absicht und Kontext sind der Schlüssel zur Interpretation dort, wo es sich nicht um Reine Malerei handelt, die sich, strenggenommen, der Interpretation widersetzt: Sie schafft ein Bild, sagen wir, der Farbe Rot, und dieses Bild wird in sich selbst als Ereignis präsentiert. Sicherlich haben Fassels Gemälde die Fähigkeit, als Ereignisse wahrgenommen zu werden, obwohl sofort klar ist, dass „die Hand“ hier nicht mehr oder weniger nebensächlich ist.
Eine auch nur flüchtige Gesamtschau bereits des CD-Umschlagbildes verweist den Betrachter auf ein phänomenologisch definiertes kritisches Konzept der Situation des Subjekts in öffentlichen oder privaten räumlichen Strukturen. Lassen sich den Titeln Hinweise auf Fassels Absichten entnehmen? „Rote Figuren“ ist als Titel zu unbestimmt-allgemein, als dass auch nur anekdotische Eigenschaften abgeleitet werden könnten. Die Suche nach solchen Bedeutungen in Fassels Werk ist jedoch ohnehin ein viel zu buchstäblicher Ansatz. Denn diese Figuren sind generische, undifferenzierte „Jedermann-“ (und sicherlich auch Jedefrau)-Figuren und somit allegorisch.
Spätestens seit Walter Benjamins Ursprung des deutschen Trauerspiels (1928)[i] wissen wir um die Allegorie nicht als bloße rhetorische Figur, sondern als fundamentale Erkenntnisweise. Im Gegensatz zur Symbolik, die organische Totalität und Harmonie zwischen Bild und Bedeutung suggeriert, operiert die Allegorie mit Zerstückelung (das Allegorische zerfällt in Einzelteile, die keine organische Einheit bilden), Hohlheit (der allegorische Sinn haftet nicht im Bild, sondern wird aufgesetzt, willkürlich zugeordnet) und Geschichtlichkeit (das Allegorische enthüllt die Vergänglichkeit aller Bedeutung, die Kontingenz der Zeichenzuordnung). Mit Benjamin lesen wir die Allegorie als antimimetische Praxis: Sie zerstört die Illusion einer natürlichen, unmittelbaren Beziehung zwischen Zeichen und Bedeutung, macht die Konstruktion sichtbar, operiert mit Distanz und Reflexion, zeigt das Bild als ruinös, brüchig und enthüllt die Geschichtlichkeit des Zeichens.
Gerhard Fassels „Rote Figuren“-Serie scheint mir eine Verschmelzung zweier inkommensurabler Paradigmen darzustellen: der Readymade-Ästhetik und der figurativen Repräsentation. Anhand der historischen Opposition zwischen De Chiricos Manichini (Ettore e Andromaca, 1917) und Duchamps Readymade (Fountain, 1917) kann man gründungsepistemisch eine modellhafte Gegenüberstellung von antimodernistisch-regressiver Rückkehr zur Figuration und modernistischer Reflexion über die Bedingungen der ästhetischen Produktion selbst annehmen. Fassels Figuren teilen mit De Chiricos Manichini zwar die Anthropomorphität der mechanomorphen Figuren, keineswegs aber die Fetischisierung des menschlichen Körpers, die kryptomythologische Ikonografie und die nostalgische Evokation einer untrennbar mit nationaler Identität (‚Italianità‘) verbundenen mimetischen Repräsentation. Sie setzen aber auch das rein epistemologische Projekt Duchamps nicht einfach fort, sondern verschränken beides kritisch. Fassel unterläuft die Semiotik der Mimesis, das heißt einen ikonischen Zeichenzusammenhang, in dem das Bild der Welt ähnelt als ein ‚natürliches‘ Zeichen. Warum, so könnte man einwenden, stellen wir die Gemäldeserie Fassels in die Geschichte der Skulptur, warum dieser Rückbezug auf die Konstellation eines fremden Mediengenres? Und inwiefern kann in der Malerei von Readymades auch dort gesprochen werden, wo solche in einem prägnanten Objektsinn nicht eingesetzt werden? Zum einen, weil Fassels „Rote Figuren“ hinter die vom Modernismus instradierte metonymische Redefinition des (Bild-)Objekts:– eines steht für alle anderen, das heißt metonymisch für die gesamte Klasse – nicht zurückfällt. Zum anderen, weil, seiner Selbstauskunft folgend, im Ursprung seines Werkprozesses zumeist eine Fotografie oder sonstige Beobachtung steht, die, obwohl vorgefunden, nicht einfach der Realität abgezogen ist, sondern für eine ästhetische Idee einsteht, die von ihm „verzettelt“, d.h. notiert und gesammelt wird.[ii] Fassel komplexisiert also die Figuration durch Medienreflexion und historische Distanzierung – hier wird die Mimesis nicht affirmativ wiederhergestellt, sondern problematisiert, zitiert, dekonstruiert. Für die obig von mir hypothetisch formulierte Verschmelzung zu einer Readymade-Figur bei Fassel würde ich das Argument beibringen, dass sich die menschliche Figur wieder in die Ästhetik des Readymades einfügt, wenn das Subjekt selbst alle Merkmale eines vollständig vergegenständlichten Objekts angenommen hat. Fassels „Rote Figuren“ etablieren einen „false realism" – einen scheinbar realistischen Körper, der jedoch die Reifikation selbst thematisiert. Sie sind gleichzeitig figurativ und readymade-haft, körperlich und reifiziert, narrativ und epistemologisch.
Die durchgehende Farbpalette (Grau-Rot-Gelb), die Leitermotiv-Wiederkehr und die thematische Konzentration auf arbeitende, sich bewegende oder fragmentierte Körper lassen eine kohärente künstlerische Untersuchung in der spezifischen Dichte der eigenen Sprachform sehen. Die Figuren sind gleichzeitig organische Wesen und architektonische Strukturen – sie besetzen das Grenzfeld zwischen Baukörper und Leib. Fassels Körper sind nicht idealisiert, sondern prozessual – im Werden, im Vergehen, im Umbau begriffen. Seine Technik – Öl auf Leinwand mit Tuschunterzeichnung – verbindet traditionelle Malerei mit zeichnerischer Spontaneität. Die sichtbare Leinwandstruktur und die transparenten Farbschichten verweigern sich der illusionistischen Täuschung, betonen stattdessen die Materialität des Bildträgers.
Autor: Achim Doppler
[i] NGAI, SIANNE. “Our Aesthetic Categories.” PMLA, vol. 125, no. 4, 2010, pp. 948–58. JSTOR, http://www.jstor.org/stable/41058295. Accessed 29 May 2026.
[ii] FASSEL, GERHARD. „Paintings & Objects “
https://www.fassel.at/files/images/About/Catalogue/Gerhard_Fassel_Catalogue_20161206.pdf
Anlässlich des Monats Mai wollen wir eine kleine unscheinbare Broschüre vorstellen, die sich aber beim näheren Hinsehen als wahrer inhaltlicher Schatz entpuppt: „Mai- und Frühlingsbrauch in Niederösterreich“ von Werner Galler (Sign.: 25.867 B N.F. 99) [1], herausgegeben anlässlich einer Ausstellung des NÖ Landesmuseums im Jahr 1980. Sie öffnet ein Fenster in die fast schon vergessene Welt der Frühlingsbräuche Niederösterreichs.
Frühling!
Es beginnt leise.
Mit dem ersten Grün, das sich aus der Erde schiebt.
Mit dem Duft von feuchter Erde und aufbrechenden Knospen.
Und dann – fast unmerklich – beginnt sich das ganze Dorf zu verändern.
Diese Schrift zeigt, der Mai war einmal alles – nur kein gewöhnlicher Monat. Der Mai war eine Zeit, in der das Leben nicht einfach weiterging, sondern bewusst gestaltet wurde.
Ein Monat voller Zeichen
Mit dem Frühling begann eine Zeit, in der jede Handlung Bedeutung trug.
Maiandachten unter freiem Himmel, Prozessionen durch Felder und Wiesen, Bitten um gutes Wetter und reiche Ernte – all das verband religiösen Glauben mit dem unmittelbaren Leben der Menschen. Viele von uns kennen noch den Maibaum, er war reich geschmückt: Bunte Bänder, Kränze, Fahnen – oft sorgfältig ausgewählt und mit Bedeutung versehen.
Doch auch kleine Gesten hatten Gewicht:
Ein Zweig am Fenster.
Ein Buschen an der Tür.
Eine bemalte Tafel mit einem Spruch.
Eine manchmal kilometerlange Kalkspur auf der Fahrbahn.
Die Menschen konnten diese Zeichen lesen.
Sie gehörten zum sozialen Gefüge – so selbstverständlich wie heute ein Gespräch.
Was diese Publikation so besonders macht, ist ihr Blick für die Details.
Für das scheinbar Kleine, das in Wahrheit alles trägt. Für Bräuche, die nicht inszeniert waren – sondern gelebt.
Sie erzählt von einer Zeit, in der Gemeinschaft sichtbar war, in der Zeichen verstanden wurden. Vieles davon ist heute kaum noch sichtbar.
Der Maibaum – Stolz, Spiel und Ernst zugleich
Kaum ein Brauch steht so sehr für diese Zeit wie der Maibaum. Er wurde geschmückt, aufgestellt, bewacht – und nicht selten gestohlen. Denn das sogenannte „Maibaumstehlen“ war kein Zufall, sondern ein regelrechtes Kräftemessen zwischen Nachbargemeinden.
Wurde der Baum entführt, musste er ausgelöst werden – oft mit Bier oder einem Fest.
Ein Spiel? Ja. Aber eines, bei dem es um Ehre ging.
Das Maibaumaufstellen war einer der zentralen Höhepunkte des Frühlings – doch erst im Zusammenhang mit dem Maibaumstehlen wird seine ganze Bedeutung sichtbar.
Der Baum wurde nicht einfach nur aufgestellt.
Er wurde bewacht – oft die ganze Nacht.
Denn:
„Die Nachbardörfer … traten verschiedentlich in Wettbewerb. Die Burschen hatten die Aufgabe, den Maibaum des Nachbarortes zu ‚schneiden‘, das heißt umzulegen und wegzuführen. Wurde der Baum erbeutet, so mußte er ausgelöst werden. Die Belohnung bestand meist in einer Geldspende und im ‚Ausbeiß‘, dessen Trunk im Gasthaus eingenommen wurde.“ [2]
Gleichzeitig gab es die stilleren Formen. Liebesmaien, vor Häusern junger Frauen aufgestellt – ein zarter, öffentlicher Hinweis auf Zuneigung.
Die Maiunruhnacht – Lärm gegen das Unheil
Weniger bekannt, aber besonders eindrucksvoll, ist die Maiunruhnacht.
Sie war keine ruhige Frühlingsnacht – im Gegenteil:
„Im Waldviertel ist die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai eine Nacht der Unruhe. Man zog lärmend durch die Ortschaft, schlug auf Bleche, rief und schoß, um die bösen Geister fernzuhalten.“ [3]
Der Lärm war bewusst erzeugt. Er hatte eine klare Funktion.
Diese Nacht war eine Schwelle. Ein Moment, in dem das Neue noch nicht gesichert war.
Und so wurde nicht nur gefeiert – sondern aktiv geschützt, durch Nächte voller Unruhe.
Besonders eindrucksvoll schildert die Broschüre die Nacht zum 1. Mai, sie hatte ihre eigene Sprache.
Feuer flackerten, Glocken läuteten, Peitschen knallten durch die Dunkelheit.
„Man glaubte, daß gerade in dieser Nacht die schädlichen Mächte besonders wirksam seien und durch Lärm und Feuer gebannt werden könnten.“ [4]
Und so wurde gelärmt, gelacht, gefeiert – um das Neue zu schützen und das Alte zu vertreiben. Es wurde gelärmt, gerufen, Feuer entzündet, Grenzen verschwammen in dieser Nacht, zwischen Gut und Böse, zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem.
Man wollte sich schützen – vor Unheil, vor bösen Mächten, vor allem, was man nicht erklären konnte.
Gleichzeitig war es eine Nacht des Überschreitens; Regeln wurden gelockert, Streiche gespielt, Grenzen ausgelotet.
Grenzbegehung – Brauchtum als gelebtes Wissen
Ein heute beinahe verschwundener Brauch zeigt eine ganz andere Seite:
„Die Gemeindegrenzen wurden abgeschritten, damit sie den Kindern eingeprägt werden und im Gedächtnis bleiben. Dabei wurden bestimmte Punkte besonders hervorgehoben.“ [5]
Hier wird Brauchtum zu etwas Praktischem:
Nicht nur Erinnerung – sondern Weitergabe von Wissen:
Man lernte den Raum nicht aus Karten, sondern durch gemeinsames Gehen.
Man ging gemeinsam hinaus. Über Felder, entlang der Grenzen des Dorfes.
Man zeigte den Kindern, was dazugehört, wo etwas beginnt und wo es endet.
Der Pfingstkönig – Höhepunkt und Symbol des Frühlings
Mit Pfingsten erreichte die Frühlingszeit ihren Höhepunkt – und brachte eine der eindrucksvollsten Figuren hervor: den Pfingstkönig.
„Der Pfingstkönig wird geschmückt, oft mit Kranz oder Bändern, und von den Burschen durch den Ort geführt.“ [6]
Dabei blieb es nicht bei einer Darstellung:
„Die Knaben ziehen mit dem Pfingstkönig von Haus zu Haus und erhalten Gaben…“ [7]
Der Pfingstkönig war eine symbolische Figur:
für Wachstum, Fülle, vielleicht auch für die Vergänglichkeit dieses Höhepunkts.
Ein König – sowie der Frühling - aber nur für kurze Zeit.
Autor: Matthias Németh
Literatur
[1] Galler, Werner: Mai- und Frühlingsbrauch in Niederösterreich: Ausstellung der volkskundlichen Sammlung des NÖ Landesmuseums, 25. April bis 12. Juni 1980 / wissenschaftliche Leitung und Text: Werner Galler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums ; N.F. 99. [Wien] : Amt der NÖ Landesregierung / Kulturabteilung, 1980. - Sign.: 25.867 B N.F. 99
[2] (ebd.: Seite 6)
[3] (ebd.: Seite 8)
[4] (ebd.: Seite 8)
[5] (ebd.: Seite 10)
[6] (ebd.: Seite 12)
[7] (ebd.: Seite 12)
Sie ist das Wahrzeichen der Stadt Retz im Weinviertel und weithin bekannt: die Retzer Windmühle. Nur in Podersdorf am Neusiedler See im Burgenland existiert noch eine weitere betriebsfähige Windmühle.
Die Retzer Windmühle liegt auf einer Anhöhe zwischen Retz und dem Manhartsberg inmitten von Weinbergen und grüßt die Besucherinnen und Besucher der Weinstadt schon von weitem.
Nahe beieinander gelegen, wurden ursprünglich zwei Windmühlen erbaut: Die 1775 aus Stein errichtete Mühle brannte nach einem Blitzschlag im Jahre 1893 aus und wird seitdem als Wohnhaus genutzt. Die in deren unmittelbarer Nachbarschaft von 1772 bis 1773 aus Holz erbaute sogenannte Bockwindmühle[1] blieb bis Anfang der 1850er Jahre in Betrieb und wurde danach abgebaut. An ihrer Stelle wurde von Johannes Tobias Bergmann im Jahr 1853 eine Mühle aus Stein aufgemauert, die bis zum Jahre 1924 gewerbsmäßig betrieben wurde[2]. Das Bild aus der Topografischen Sammlung der NÖLB gibt den Zustand dieser Mühle im Jahre 1935 wieder. Hierbei handelt es sich um eine konische Turmwindmühle. Sie entspricht dem Typ der Holländermühle. Auf einem gemauerten Mühlenturm liegt ein gusseiserner Rollenkranz, mit dessen Hilfe sich die Dachhaube drehen lässt, wodurch die vier Flügel in den Wind gestellt werden können. Die Bedienung erfolgt durch eine Seilwinde vom Boden aus.
Im Jahre 1928 wurde die Windmühle unter Denkmalschutz gestellt. Was die Ausmaße des Bauwerks anbelangt, so erreicht der Mühlenturm inklusive Dachhaube eine Gesamthöhe von rund 13 Metern; der Durchmesser an der Basis beträgt 9,89 Meter, der Durchmesser an der Mauerkrone 6,76 Meter. Die schräg gestellten Flügel der Windmühle verwandeln den Druck des Windes, der auf die Flügelflächen wirkt, in eine Drehbewegung des Flügelbaumes um. Dabei kann die Stellung der Flügel nicht verändert werden, ihre Fläche jedoch sehr wohl. Es handelt sich hierbei um sogenannte Türen- oder Gatterflügel. Die volle Bedeckungsfläche eines Flügels beträgt 13,3 m², seine Länge 9,6 m und die durchgehende Länge des Flügelkreuzes 19 m.[3]
Die Retzer Windmühle diente bereits mehrfach als Filmkulisse, z.B. in der Fernsehserie „Der Kurier der Kaiserin“[4] und im Film „Die drei Musketiere“ aus dem Jahr 1993. Bei den Dreharbeiten zum letztgenannten Film wurden zwei Flügel aufgrund starker Winde beschädigt. Die ungebremsten Windmühlflügel waren über Nacht ungesichert geblieben, und wurden dann von starkem Wind zerstört. Über die Jahre wurden die Windmühlflügel mehrfach erneuert. So wurden nach dem Filmproduktionsunfall 1993 neue Flügel montiert, die allerdings nicht mehr windgängig waren.[5] Weitere Erneuerungen der Flügel erfolgten 2003 und 2006; drehbar waren sie aber wieder nicht.
Der hohe Holzanteil bei der Innenausstattung und dem äußeren Windwerk erfordert viel Pflege. Daher folgten im Laufe der Jahre zwei längere Instandhaltungsphasen: von 1928 bis 1954 und von 1956 bis 2007. Dabei wurden u.a. der Wurmbefall im Inneren der Mühle beseitigt und der Außenputz sowie das Schindeldach vollständig erneuert.[6] Der Zufall wollte es, dass im August 2007 ein niederländischer Tourist, der Mühlenbauingenieur Gerrit Keunen, in Retz weilte und sich für die Windmühle interessierte. Er besprach mit Therese Bergmann (im Jahr 2023 verstorben), der Eigentümerin der Mühle, Möglichkeiten, die Mühle wiederherzustellen[7] und in einen betriebsfähigen Zustand zu versetzen. Diesem Umstand war es zu verdanken, dass dem Besuch bald eine fachkundige Restaurierung der Windmühle durch eine niederländische Mühlenbaufirma folgte.[8] In Zusammenarbeit u.a. mit der Stadt Retz, dem Bundesdenkmalamt und dem Land Niederösterreich gelang es der Eigentümerfamilie Bergmann, die Restaurierung zu finanzieren und umzusetzen. Im Mai 2010 wurde die Mühle wieder in Betrieb genommen. Die Retzer Windmühle wird heute als Schaumühle genutzt und dient häufig als beliebtes Fotomotiv.
Autor: Michael Bauer
[1] Sie bestanden zur Gänze aus Holz und waren auf einem Holzbock so konstruiert, dass das ganze Haus in die erforderliche Windrichtung gedreht werden konnte [URL: https://www.retz.gv.at/de/Tourismus_und_Freizeit/Geschichte/Die_Retzer_Windmuehlen, abgerufen am 19.3.2026].
[2] Therese Bergmann, Die Retzer Windmühle: ein technisches Denkmal (Verlag Günther Hofer, Retz 2006), S.6.
[3] Ebd., S.17.
[4] Mit Klausjürgen Wussow in der Hauptrolle als österreichischer Kurier; Erstausstrahlung im Fernsehen 1970-1971.
[5] Therese Bergmann, Die Windmühle in Retz (3., erw. Auflage, Verlag Günter Hofer, Retz 2017), S.122.
[6] Ebd., S.116ff.
[7] Die Retzer Windmühle: Bilder, Dokumente, Texte zu Restaurierung und Geschichte (1. Auflage, Verlag Günther Hofer, Retz 2011), S.6.
[8] Bergmann 2017, S.128ff.
Die NÖ Landesbibliothek ist eine Universalbibliothek – also eine Bibliothek, die Literatur aus allen Fachgebieten führt. Sammlungsschwerpunkt sind Werke mit einem Bezug zu Niederösterreich. Somit fällt in das Sammlungsgebiet nicht nur Basisliteratur aus allen wissenschaftlichen Bereichen, sondern auch Literatur, die niederösterreichische Themen zum Inhalt hat oder von niederösterreichischen Autorinnen und Autoren verfasst wurde.
Immer wieder finden jedoch auch Bücher ihren Weg in die NÖ Landesbibliothek, die entweder nicht ins Sammlungsgebiet passen oder bereits im Bestand der Bibliothek enthalten sind. Um diesen Büchern ein „zweites Leben“ zu schenken, gibt es im Foyer der NÖ Landesbibliothek seit kurzem einen offenen Bücherschrank. Hier finden Besucherinnen und Besucher der NÖ Landesbibliothek ein vielfältiges Angebot an Büchern vor, die nicht nur in der Freizeit genussvolle Erholung bieten, sondern auch zur Vertiefung, Erweiterung oder Auffrischung von Wissen oder gar zur Entdeckung neuer Interessensgebiete genutzt werden können. Beispielsweise enthält der Bücherschrank neben Belletristik auch immer wieder Fachbücher zu geschichtlichen, kunstgeschichtlichen, heimatkundlichen oder volkskundlichen Themen. Diese sind durchaus nicht nur auf das Bundesland Niederösterreich beschränkt. Es lohnt sich daher, den Inhalt des offenen Bücherschrankes immer wieder durchzusehen.
Die Bücher werden kostenlos und ohne Formalitäten zur Mitnahme angeboten. Während der Öffnungszeiten der NÖ Landesbibliothek ist der Bücherschrank im Foyer neben der Haupttreppe frei zugänglich. Diese sind von Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 16 Uhr, dienstags bis 18 Uhr.
Nutzen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, umfangreich und intensiv das neue Angebot der NÖ Landesbibliothek!
Verstaubter Gehrock, schlurfender Schritt mit einem Stapel Büchern in der Ellenbeuge, streng geflochtener Dutt mit gestrickter Weste, stets ein „Pssst!“ auf den Lippen. Mit der Berufsbezeichnung „Bibliothekar“ werden eine Vielzahl von althergebrachten Bildern assoziiert, welche in der Mehrheit gänzlich und im Besonderen
meistens inkorrekt sind.[1]
In der Vielfalt liegt die Kraft – Wege zum Bibliothekarsberuf
So divers die unterschiedlichen Arten und Inhalte von Bibliotheken sind, so mannigfaltig sind auch die Wege zur Tätigkeit in eben diesen. Von wissenschaftlich ausgerichteten Dienstposten in wissenschaftlichen Universitäts- und Fakultätsbibliotheken zu (zumeist ehrenamtlichen) Gemeindebibliothekaren in einer Stadtbibliothek oder Privatgelehrten, welche die persönlichen Bestände von Sammlern verwalten, die Arbeitsumgebung von bibliothekarisch tätigen Menschen ist ungemein umfangreich und divers.
Für die Einstiegslaufbahn in einer Bibliothek ist keinerlei Ausbildung vonnöten, man kann als eine Hilfskraft angelernt werden. Für die weiterführenden und höheren Weihen sind universitäre Ausbildungen von Vorteil. Darüber hinaus gibt es eine breite Auswahl an Ausbildungen, welche auch im späteren Verlauf einer Karriere eingeschlagen werden können: Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit der Lehre (Lehrberuf Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistent)[2] beziehungsweise die universitäre Ausbildung mit dem Grund- und Aufbaulehrgang Library and Information Studies[3] an der Universität Wien und der Österreichischen Nationalbibliothek.
Ein Blick in den bibliothekarischen Alltag der NÖLB
In der Niederösterreichischen Landesbibliothek sind viele unterschiedliche Menschen mit diversen Arbeitsfeldern tätig. Geht man bei einem Besuch durch die Gänge und Stockwerke, trifft man auf eine Vielzahl von spannenden Eindrücken.
Schreitet man an der Haupttreppe vorbei in den dahinter gelegenen Verwaltungsbereich, begrüßt einen das Klappern der Tastaturen der Kollegen aus den links gelegenen Büros. Auf den Tischen liegen, in Stößen sortiert, kleine Türme an Druckwerken – das zu absolvierende Tagewerk, fein säuberlich vorbereitet. Ein Piepen tönt von rechts aus dem "Archivkammerl", einer der Kollegen säubert die dort wartenden Bücher von Staub und Schmutz – ein ewiges Problem beim Aufbewahren von Druckwerken.
In den Büros wird jedes eingehende Druck- und digitale Werk darauf geprüft, wo es herkommt, was es ist und wohin es gehen soll. Die Formalerschließung pflegt die Rohdaten ein, welche von der Sacherschließung abgeschlossen und mit der gewaltigen Datenbank der „Gemeinsamen Normdatei“ verbunden werden und prüft, ob das Werk nicht bereits im Bestand der NÖLB vorhanden ist. Doppelte Bücher, insofern sie nicht Bezug zum Bundesland haben, werden in den offenen Bücherkasten[4] gelegt, um einen glücklichen neuen Besitzer zu finden.
Ein schwer beladener Rollwagen rattert durch den Gang: ein Kollege aus dem Magazin im Untergeschoß holt jeweils am Vor- und Nachmittag die Post von der Poststelle ein paar Gebäude weiter, meist mehrere Kisten an Pflichtabgaben, Ankäufen und durch Tausch erworbene Zeitschriften und Bücher. Vor dem Gebäude fährt ein mittelgroßer Lastwagen vor, mehrere Bibliothekare haben einen Vorlass abgeholt, welcher der NÖLB geschenkt wurde. Die dicht gepackten Kisten werden ins Magazin geschleppt und warten dann darauf, geöffnet und bearbeitet zu werden.
Derweil führt ein anderer Kollege eine Gruppe interessierter Besucher durch das Haus. Wir dürfen regelmäßig Gästen aus Schulen, Vereinen, bibliothekarisch ausgerichteten Institutionen und Privatpersonen einen Einblick in unsere Tätigkeit bieten und dabei so manches Vorurteil bezüglich Bibliotheken und der Arbeit darin aus dem Weg räumen. Etliche Schulgruppen besuchen uns auch wegen der Schulungen im Bereich der Vorwissenschaftlichen Arbeit, welche einen Aspekt unserer bildungsrelevanten Angebote darstellt, neben wissenschaftlichen Abenden und anderen Veranstaltungen. Gelegentlich hört man das Verrücken der Tische und Sitzgelegenheiten, wenn sie für diese besonderen Anlässe ab- und wieder aufgebaut werden müssen.
Im ersten Stock können unsere Benutzer die diversen Dienste der Bibliothek in Anspruch nehmen. Das Klappern der Tastaturen in den Laptops, das Rascheln der Zeitungsblätter, welche zu Bündeln sortiert und für die Eingabe, Bindung zu größeren Folianten oder schlicht zum Zurücksortieren in die Regale vorbereitet werden, das leise Murmeln eines Beratungsgesprächs am Informationsschalter oder in einer der Sondersammlungen sowie das Plätschern eines angebotenen Kaffees bilden den lautmalerischen Hintergrund im öffentlichen Bereich der Bibliothek.
Im Gegensatz dazu ist das Untergeschoss mit seinen Magazinen fast ein Ort der Stille, lediglich unterbrochen vom Ausheben und Zurückstellen der Druckwerke, dem Ausdruck eines neuen Signaturetiketts, dem Rumpeln neu angekommener und ins Außendepot fortzubringender Kisten und den interessierten Fragen einer Besuchergruppe, welche die umfangreichen Bestände der NÖLB bestaunen.
Zu den nicht sofort ersichtlichen Tätigkeiten, die erst im Lauf der Zeit Früchte tragen, zählen die folgenden: Veranstaltungen und Kooperationen müssen geplant, Anfragen beantwortet, Außenwerbung durchgeführt und Verträge mit Vor- und Nachlassenden abgeschlossen werden. Eine Bibliothek lebt schließlich von den vielen kleinen alltäglichen Interaktionen, welche ein solides Gesamtbild und ein zufrieden stellendes Erlebnis für unsere Besucher ergeben.
Nach dem Zettelkasten. Neue Medien und Aufgabenfelder
Neben den bereits erwähnten grundlegenden Ausbildungen existiert eine große Vielfalt an Fortbildungen und Spezialisierungen, beispielsweise in Richtung Teaching Librarian[6], Data Steward[7], Data Librarian[8] und etliche weitere[9],[10]. Unsere moderne Medienwelt mit gewaltigen Datenmengen als neuer globaler Standardwährung bringt mit sich, dass sich Bibliothekare weit über die Arbeit mit gedruckten Werken hinaus vertraut müssen[11],[12].
Das aktuelle Berufsbild des Bibliothekars (in wissenschaftlichen Bibliotheken) hat sich zu einer unterstützenden Tätigkeit entwickelt. Bibliothekare sind spezialisierte Fachkräfte, welche bei Literaturrecherche, Publikation und Verwaltung von Texten helfen. Ob man für die Recherche zu einem wissenschaftlichen Projekt Hilfe benötigt, seine eigenen Forschungsdaten im Rahmen von citizen science in einem digitalen Repositorium[13] hochladen oder sich in der Bibliothek fortbilden möchte, die Bibliothek ist heutzutage längst mehr als lediglich ein Aufbewahrungsort für Druckwerke und versteht sich als sozialer, medialer und bildungsrelevanter Treffpunkt für die (Forschungs-)Gemeinschaft.
Ohne Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, dem Erkunden neuer Fachbereiche und Umgang mit Menschen, aber auch Technik und dem Entwickeln eigener Schwerpunkte in seinen Tätigkeiten wird man sich als Bibliothekar des digitalen Zeitalters schwer tun.
Aber gerade diese Vielfalt an Möglichkeiten zur Ausformung der eigenen Interessen ist das Schöne an diesem faszinierenden, erfüllenden und bereichernden Beruf.
Autor: Johannes Haslhofer (Februar 2026)
[1] Carl Spitzweg, Der Bücherwurm, um 1845. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_B%C3%BCcherwurm, abgerufen am 22.1.2026
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Bibliothekar, abgerufen am 22.1.2026
[3] https://bibliothek.univie.ac.at/ulg/, abgerufen am 26.1.2026
[4] https://www.noe.gv.at/noe/Landesbibliothek/Buecherschrank_bietet_Literatur_zur_freien_Entnahme-.html, abgerufen am 3.2.2026
[5] https://www.noemuseen.at/museum/detail/ausstellungsraum-in-der-niederoesterreichischen-landesbibliothek/, abgerufen am 3.2.2026
[6] https://www.postgraduatecenter.at/weiterbildungsprogramme/kommunikation-medien/teaching-librarian/, abgerufen am 26.1.2016
[7] https://rdm.univie.ac.at/de/data-stewards-universitaet-wien/data-steward-werden/, abgerufen am 26.1.2026
[8] Der Zertifikatskurs „Data Librarian“ und seine erstmalige Durchführung | Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare, abgerufen am 4.2.2026
[9] https://rdm.univie.ac.at/de/data-stewards-universitaet-wien/data-steward-werden/, abgerufen am 26.1.2026
[10] https://www.bvoe.at/aus-und-fortbildung/kurse, abgerufen am 26.1.2026
[11] https://www.treffpunkt-bibliothek.at/angebote/weiterbildung/, abgerufen am 26.1.2026
[12] Giuseppe Arcimboldo, Der Bibliothekar, um 1570. https://de.wikipedia.org/wiki/Giuseppe_Arcimboldo, abgerufen am 22.1.2026
[13] https://publiscologne.th-koeln.de/frontdoor/deliver/index/docId/2045/file/MA_Hermans_Britta.pdf, abgerufen am 26.1.2026
© K2
Wie ein Denkmal ragt Burg Senftenberg vor uns auf, teilweise grell beleuchtet wie von zahllosen Scheinwerfern. Diese fast poetisch vorgetragenen Beobachtungen wirken überzeugend, verlangen jedoch nach sachlicher Begründung.
Das Monumenthafte an dem hier dargestellten Bauwerk resultiert aus der besonderen Bildkomposition. Man blickt von einem leicht erhöhten Standort aus auf die Ruine, die keineswegs in ihrer Totalen wiedergegeben, sondern gleichsam ausschnitthaft vor Augen geführt wird. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein dominierten Gesamtansichten solcher Bauten, die meist aus großer Distanz, ja oft aus ehrfurchtgebietender Untersicht verewigt wurden. Zu Landas Zeit aber war man immer mehr Facetten des heimischen Architekturerbes auf der Spur und erschloss folglich auch bekannte Baudenkmäler auf innovative Weise.
Der Aspekt „Beleuchtung“ wiederum ergibt sich schlicht daraus, dass hier mit Pastellkreide gearbeitet wurde und ausgewählt helle Farben für die betreffenden „Lichthöhen“ sorgten: Dadurch kann das betrachtende Auge nachempfinden, wie das Sonnenlicht zu einer bestimmten Tageszeit Punkt für Punkt des Mauerwerks abtastet. Mithilfe solcher Kniffe, welche von Landa auch auf die Ölmalerei angewendet wurden, ergeben sich besondere Effekte, welche dem Blatt unwiderstehlichen Charme und dem Künstler den Charakter eines Stimmungsvirtuosen verleihen.
Die gegenständliche Burg war bis zu ihrer Zerstörung durch schwedische Truppen im Jahr 1645 ein stattlicher Adelssitz, dessen älteste noch nachweisbare Teile aus dem 12./13. Jahrhundert stammen dürften. Der immer noch mächtig aufragende Bergfried kann als das Wahrzeichen der Anlage gelten und wurde vom Künstler, kaum zufällig, als zentraler Blickfang gestaltet.
Hubert Landa wurde 1870 im mährischen Branky (Deutsch Branek) geboren und studierte an der Wiener Kunstakademie. 1912 avancierte er zum Professor an der Wiener Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt; er starb 1938 in Kirnberg an der Mank. Von diesem begabten Künstler besitzt die NÖ Landesbibliothek immerhin 17 Original-Arbeiten, darunter ein weiteres Senftenberg-Blatt, welches die Wehrkirche St. Andreas zeigt.
weiterführende Links
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Tel: 02742/9005-12835
