Highlights des Monats

Auf dieser Seite präsentieren wir Ihnen jeden Monat ein neues Objekt aus der NÖ Landesbibliothek.


Kupferstich einer Landschaft mit Burg und Kirche
Kupferstich, 100 x 149 mm (Platte 115 x 153 mm, Blatt 116 x 157 mm, beschnitten).
Aus: Topographia archiducatus Austriae inferioris modernae, 4. Teil, Nr. 118).
Beschriftet: Streitwisen.
[NÖ Landesbibliothek, Topografische Sammlung, Inventar-Nummer 7.414]


In dieser Druckgrafik werden Aufsicht und Fernsicht miteinander kombiniert. Die hier gewählte Abbildungsweise ist in Vischers Niederösterreich-Topografie (Topographia archiducatus Austriae Inferioris modernae, Band 1 und Band 2) singulär, wurde aber auch in jüngeren Epochen nur selten aufgegriffen.

Sofort fällt der im Vordergrund postierte Kirchenbau auf: die Pfarrkirche von Weiten. Die mittlere Zone präsentiert sich als Flusslandschaft, wobei Vischer den betrachtenden Blick am Weitener Kirchberg vorbei ins Tal lenkt. Die Mäander des Weitenbachs zielen, in natura eine Unmöglichkeit, scheinbar direkt auf Streitwiesen.

Dieser Adelssitz, heute als „Jugendburg“ bekannt, war damals teilweise noch eingedeckt; die stattliche Anlage geht auf eine Gründung des 12. Jahrhunderts zurück. Typologisch richtig wiedergegeben erscheint die Weitener Pfarrkirche St. Stephan. Die gotische Staffelhalle, sehr gut erhalten, darf als Wahrzeichen der Region gelten, zumal sie auch eine kostbare Innenausstattung aufweist.

In dieser Doppelansicht, wie man sie nennen könnte, hat Vischer ein ausgeklügeltes, sogar die Komposition anderer Ortsansichten (etwa derjenigen von Spitz/Donau) übertreffendes Konzept verwirklicht. Die sein Schaffen auszeichnende kompositorische Vielfalt erfährt mit diesem Bild einen neuen Höhepunkt.

Georg Matthäus Vischer (1628-1696) wurde in Wenns (Tirol) geboren und wirkte nach einem unsteten Wanderleben als Pfarrgeistlicher sowie „freier“ Kartograf. In dieser Eigenschaft schuf er hauptsächlich Karten einzelner Herrschaften und Länder sowie die bekannten Topografien Niederösterreichs, Oberösterreichs und der Steiermark.

Der in Linz verstorbene Gelehrte ist für uns aufgrund der erwähnten Niederösterreich-Topografie von größter Bedeutung: Nicht nur, dass die nach seinen Zeichnungen angefertigten Kupferstiche in jenem 1672 erschienenen Werk oft die ersten bzw. einzigen Aufnahmen bestimmter Orte oder Bauzustände darstellen, bildet die „Topographia“ als Auftragswerk der Landstände zugleich so etwas wie die Wurzel der an der NÖ Landesbibliothek beheimateten Topografischen Sammlung.

Vorderseite des Postkarten-Vordrucks
Vorderseite des beiliegenden Postkarten-Vordrucks
[NÖ Landesbibliothek AV VIII 185]© Volkspartei Niederösterreich


Bereits ein zeitgeschichtliches Dokument ist ein Bilderdomino, das von der ÖVP-Landesparteileitung Niederösterreich im Vorfeld der Landtagswahl vom 25. März 1979 herausgebracht wurde. In der Schachtel findet sich ein Spielplan mit einer angedeuteten Niederösterreichkarte, um deren Umriss die aus drei Bögen auszuschneidenden 41 Bilderdomino-Plättchen zu legen waren; ein 42. „Domino-Stein“ blieb als überzähliger Gewinnstein übrig und konnte mit der beiliegenden Postkarte eingesandt werden, um am damit verbundenen Preisausschreiben teilzunehmen. Die Spielanleitung befindet sich in der rechten oberen Ecke des Spielplans; auf seiner Rückseite findet sich das Wahlprogramm 1979. Als Bildmotiv dienen Porträts der 35 ÖVP-Kandidat(inn)en; den Rückseiten sind Name, Geburtsdatum und Wohnort samt Viertel der jeweiligen Kandidat(inn)en zu entnehmen. 33 Kandidat(inn)en kommen zweimal vor (das ist mindestens notwendig, um einen dazu passenden Domino-Stein anschließen zu können); zwei Kandidaten, nämlich Andreas Maurer und Siegfried Ludwig, sind jeweils neunmal vertreten, sodass sich 33 x 2 + 2 x 9 = 84 Abbildungen (auf 42 Plättchen) ergeben.  

Folgende Kandidat(inn)en sind vertreten: 

Karl Amon, 11.01.1920, Kollmitzberg, Mostviertel
Alois Anzenberger, 26.03.1923, Anzing, Mostviertel 
Hubert Auer, 23.02.1934, Schwechat, Industrieviertel 
Dr. Otto Bernau, 16.03.1926, Langenlois, Waldviertel 
Matthias Bierbaum, 28.12.1916, Neusiedl an der Zaya, Weinviertel 
Franz Blochberger, 16.10.1942, Krumbach, Industrieviertel 
Kurt Buchinger, 16.09.1935, Horn, Waldviertel
Hans Diettrich, 20.07.1919, Aspang, Industrieviertel
Erich Fidesser, 22.01.1939, Platt, Weinviertel
Franz Greßl, 20.01.1936, Ritzenberg, Mostviertel
Dkfm. Vinzenz Höfinger, 06.11.1928, St. Pölten, Mostviertel
Ing. Hans Kellner, 15.01.1929, Zwentendorf, Mostviertel
Annemarie Kletzl, 09.02.1940, Poysdorf, Weinviertel
Hans Klupper, 27.10.1937, Götzendorf, Industrieviertel
Karl Kurzbauer, 06.04.1934, Melk, Mostviertel
Siegfried Ludwig, 14.02.1926, Perchtoldsdorf
Ferdinand Manndorff, 22.11.1922, Hinterbrühl, Industrieviertel
Andreas Maurer, 07.09.1919, Trautmannsdorf
Dipl.-Ing. Josef Molzer, 17.11.1914, Korneuburg, Weinviertel
Liese Prokop, 27.03.1941, Annaberg, Mostviertel
Franz Rabl, 05.06.1928, Radessen, Waldviertel
Josef Reischer, 30.05.1920, Weißenbach an der Triesting, Industrieviertel
Ferdinand Reiter, 06.02.1926, Zistersdorf, Weinviertel
Dipl.-Ing. Josef Robl, 06.05.1918, Klein-Rötz, Weinviertel;
Lambert Rohrböck, 17.09.1917, Fallbach, Weinviertel
Franz Romeder, 16.10.1938, Schweiggers, Waldviertel
Karl Rozum, 01.01.1937, Neulengbach, Mostviertel
Karl Schneider, 30.01.1918, Bruck an der Leitha, Industrieviertel
Ing. Edgar Schober, 31.10.1926, Purgstall, Mostviertel
Josef Spiess, 10.08.1933, Ternitz, Industrieviertel
Josef Steinböck, 04.12.1927, Frauenhofen, Waldviertel
Mag. Viktor Wallner, 20.12.1922, Baden, Industrieviertel
Karl Wilfing, 14.10.1933, Wetzelsdorf, Weinviertel
Harald Wittig, 14.06.1934, Krems, Waldviertel
Walter Zimper, 29.04.1942, Markt Piesting, Industrieviertel

Weitere Informationen sowie Abbildungen sind dem Katalogisat zu entnehmen. Dieses Spiel bildet gerade wegen seiner Politiker-Porträts eine willkommene Ergänzung zu den rund 5.000 Objekten der Porträtsammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek.

Im Rahmen des NÖ Landesbüchereitages 2021 wurde dem Landtagspräsidenten Karl Wilfing die Ehren-Buchpatenschaft für eines der bedeutendsten Bücher der Niederösterreichischen Landesbibliothek verliehen: das am 20. März 1501 in Schrattenthal gedruckte Buch ist damit das älteste gedruckte Buch aus dem heutigen Niederösterreich (ohne Wien) und fügt sich so als Mosaikstein in das heurige Hundertjahr-Jubiläum Niederösterreichs.  2022 bringt aber auch das 550-Jahr-Jubiläum der Stadterhebung von Schrattenthal 1472. Das alles bildet genug Grund, dieses Buch wieder einmal vor den Vorhang zu holen; dazu kommen aber auch neue Erkenntnisse zu diesem Buch, die auf dessen genauere Betrachtung wegen dieser Jubiläen zurückzuführen sind. 

Unser Exemplar wurde am 25. März 1981 vom Wiener Antiquariat Christian M. Nebehay erworben; das Anbot im Antiquariatskatalog (Katalog Nr. 71. Drucke, Bücher 17.-19. Jahrhundert, Festungs- und Schlachtenpläne des 18. Jahrhunderts. Wien 1981, NÖLB Signatur 53.104 C 43/74, Seite 12-13) lautete:

„7 Michael Franciscus ab Insulis, Quodlibetica decisio perpulchra et devota de septem doloribus christiferae virginis Mariae 

54 Blatt mit Titelholzschnitt (Halbfigur der Jungfrau Maria mit sieben Schwertern) und einem ganzseitigen Holzschnitt auf Blatt 49 v: Maria mit den sieben Schwertern, neben ihr der heilige Bernhard und der heilige Augustinus; innerhalb der Bordüre das Wappen von Martin von Eitzing. Mit einigen einfachen, rot gemalten Initialen, gedruckte Initialen mit gelben Auszeichnungsstrichen.
Brauner, moderner Maroquinband, 4°.
Schrattental, (unbekannter Drucker für Martin von Eitzing), 20. März 1501.

95.000,-

Das erste in Niederösterreich gedruckte Buch und einziger Druck der Schrattentaler Presse.
Langer-Dolch, p. 131; H. W. Lang, Die Buchdrucker des 15. bis 17. Jahrhunderts in Österreich, 1972, p. 40; H. Maschek, Der Schrattentaler Druck vom Jahre 1501, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen, 52, 1935, pp. 388 ff.
Von diesem Druck der Schrattentaler Presse sind bis jetzt nur wenige Exemplare bekannt geworden: Berlin, British Museum, Klosterneuburg, Nationalbibliothek Wien, Spencer Collection der New York Public Library und das Exemplar der Sammlung Langer (= wahrscheinlich unser Exemplar).
Der Verfasser dieses Erbauungsbuches, das "der Förderung der Marienverehrung, insbesonders der Verbreitung der Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariens dienen sollte" (Maschek, p. 390), war der flämische Dominikaner Michael Franciscus de Furno ab Insulis (Lille 1435 - 1502), der seit 1490 als Beichtvater und Erzieher im Dienst Kaiser Maximilians stand. "Das Werk (bereits um 1496 in Antwerpen erstmals gedruckt) enthält außer einer moralisch-aszetischen Besprechung der Sieben Schmerzen Mariens eine Darstellung der Ziele der Bruderschaft und ihre kurze Geschichte; beigefügt ist das liturgische Officium de septem doloribus, das Peter von Manso verfaßt hat" (Maschek, p. 390).
Auftraggeber des Druckes war Martin von Eitzing, Besitzer der Herrschaft Schrattental und ein Neffe des bekannten Ulrich von Eitzing, der als Anführer der Erhebung gegen Friedrich III. im niederösterreichischen Herrenstand eine bedeutende Rolle spielte. "Stephan von Eitzing (ein Bruder des Ulrich) und seine Söhne Martin und Georg errichteten 1476/77 in Schrattental eine Augustiner-Chorherren Niederlassung neben dem Retzer Tor, die von Dürnstein und St. Dorothea in Wien besetzt wurde ... Das Stift kam bald zu ansehnlicher lokaler Bedeutung, die durch starken Wallfahrerzuspruch ihren Ausdruck fand. 1501 gründete Martin von Eitzing eine Bruderschaft zu Ehren der Sieben Schmerzen Mariens. Im selben Jahr ist eine Klosterdruckerei nachzuweisen, die älteste Offizin in Niederösterreich" (Handbuch der historischen Stätten Österreichs, I, 1970, p. 536). Es wird allerdings auch angenommen, daß der Druck von einem wandernden Meister hergestellt wurde, "doch weder die Typenvergleichung noch urkundliche Nachrichten ermöglichen es, seine Person festzustellen" (Maschek, p. 391). Der Titelholzschnitt, dessen Block ausgedruckt erscheint, dürfte bereits vorher auch als Einzeldruck verkauft worden sein, allerdings hat sich kein Exemplar erhalten. Der zweite Holzschnitt, mit dem Wappen des Martin von Eitzing, ist sicherlich für das Buch selbst hergestellt worden.“

Unter der Geschäftszahl III/3b-1/332-1981 fanden sich die glücklicherweise noch erhaltenen Kaufunterlagen (Aktenübersicht, Zahlungsauftrag, Sachverhalt und Genehmigung sowie ein Schreiben an die Firma Nebehay). 

Im Buch finden sich zwei Exlibris sowie die Signatur1865“ des Vorbesitzers. Das vordere Exlibris lautet: „Ex libris A E pro viribus summis contendo“, das hintere „Bibliotheca Broxbourniana J.P.W.E. 17 March 1949 Ex dono A & R. E“. Dem wurde bisher offenbar nicht nachgegangen oder die entsprechenden Bemühungen waren nicht erfolgreich; man muss natürlich einräumen, dass eine entsprechende Recherche mit den heutigen Möglichkeiten des World Wide Web um vieles aussichtsreicher ist. Jedenfalls ermöglichten diese Angaben eine Aufhellung der Besitzgeschichte dieses Buches. Broxbourne ist eine in Hertfordshire circa 27,5 km nördlich von London gelegene Stadt mit rund 15.000 Einwohnern. Nach dieser Stadt benannte Albert Ehrman, 1890-1969, ein dort ansässiger Industriediamantenhändler und Bibliophiler, seine ab den 1920ern entstandene Büchersammlung. Von seinen Eltern Albert Ehrman und Rina Ehrman (geb. Bendit, 1892-1972, aus London-Hampstead) erhielt John Patrick William Ehrman, 1920-2011, ein bekannter Historiker, die Bibliotheca Broxbourniana am 17. März 1949 als Geschenk zu seinem 29. Geburtstag. Er löste diese Sammlung bis 1978 durch Schenkungen an die British Library, Bodleian Library (Oxford) und Cambridge University Library sowie durch Auktionen (vgl. Catalogue of the valuable printed books from the Broxbourne Library illustrating the spread of printing: the property of John Ehrman which will be sold by auction by Sotheby Parke Bernet & Co. 1, Abbeville-Lyons, 14-15.11.1977. 2, Madrid-Zwolle, 08-09.05.1978) auf.

Der Holzschnitt auf Blatt 49 verso im Buch zeigt die beiden Pfarrpatrone von Schrattenthal, Bernhardin von Siena und Augustinus von Hippo, dazwischen die Sieben Schmerzen Mariens und darunter das Wappen des 1512 verstorbenen Martin von Eitzing, eines Neffen des 1460 verstorbenen Ulrich von Eitzing (Eyczing). Er veranlasste 1501 den Druck des bereits 1496 in Antwerpen erschienenen Büchleins in Schrattenthal und hatte zuvor 1495 mit Zustimmung des Bischofs von Passau Christoph Schachner (1447-1500) die vom damaligen Herzog von Burgund und späteren König Philipp I. von Kastilien gegründete Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariae (Mariens) nach Schrattenthal geholt, die bis 1525 bestehen blieb. Das Büchlein, die „Quodlibetica decisio perpulchra et devota de septem doloribus christiferae virginis Mariae“ war von Michel François (auch: Michael Francisci ab Insulis, das ist Lille, 1435-1502) verfasst worden, einem in Templemars bei Lille geborenen Dominikaner, der 1475 zusammen mit Jakob Sprenger die Rosenkranzbruderschaft in Köln gegründet hatte und 1493 zum Fidei quaesitor generalis der 17 Provinzen Belgiens bestellt und zum Bischof in partibus geweiht worden war. Es ist gewiss kein Zufall, dass er von Kaiser Maximilian 1490 mit der Erziehung des bereits erwähnten Erzherzog Philipp des Schönen betraut worden war.

Bleibt noch ein Wort zum oben genannten Wappen der Eitzinger: Ulrich von Eyczing hatte Schrattenthal 1434 erworben und 1435 zu seinem Hauptsitz gemacht; zuvor sind die Eitzinger in Oberösterreich nachweisbar. Wenn auch seitenverkehrt, findet sich unser Wappen seit 1973 als Gemeindewappen der Gemeinde Eitzing im Bezirk Ried im Innkreis wieder. Könnte das nicht den Anlass für eine Gemeindepartnerschaft von Eitzing und Schrattenthal im Jubiläumsjahr bilden, falls eine solche nicht schon besteht?

exlibris, nackte Frau sitzt nach links gewandt auf der Einfassung einer Bibliothek
Bibliothek Ernst Krahl / E. Krahl 08 (Exlibris)
[NÖ Landesbibliothek Ex-252]


Zu den kleineren Sondersammlungen der NÖ Landesbibliothek zählt die Exlibris-Sammlung mit rund 2.700 Objekten. Unter Exlibris oder Bucheignerzeichen versteht man in Bücher eingeklebte Zettel zur Kennzeichnung des Eigentümers; in älteren Büchern finden sich manchmal sogar mehrere Exlibris, die dann eine Rekonstruktion der Besitzgeschichte dieses Buches erlauben. 

Exlibris sind häufig künstlerisch gestaltet und zählen dann zur Kleingrafik. In der Regel ist der Name der Bucheigner als Auftraggeber des Werkes ersichtlich, häufig findet sich zusätzlich auch eine Signatur des Künstlers oder der Künstlerin

Ein Eigenexlibris liegt vor, wenn Bucheigner und Künstler zusammenfallen, wie in unserem Beispiel. Ernst August Krahl, geboren 1858 in Dresden, gestorben 1926 in Wien, war Heraldiker und Hofwappenmaler. Im Jahr 1908 schuf er ein dem Jugendstil verpflichtetes Exlibris für seine Bibliothek, deren Räumlichkeiten als Bildmotiv dienen. 

Im Laufe der Zeit haben sich (aus Büchern herausgelöste) Exlibris zu einem eigenständigen bibliothekarischen Sammelgut entwickelt; das Verhältnis von Buch und Exlibris erinnert dabei an das analoge Verhältnis zwischen Ansichtspostkarte und Briefmarke.  

Warum wir gerade dieses Exlibris ausgewählt haben? Weil es, und das kommt gar nicht so oft vor, eine Bibliothek zeigt.

Stenografie oder Kurzschrift: Marcus Tullius Tiro (103-4 v. Chr.) gilt mit seinen „Tironischen Noten“ als Erfinder der Kurzschrift; ein Beispiel bildet die Handschrift Cod. 82 der Stiftsbibliothek Göttweig aus dem 9. Jahrhundert. 

Basierend auf den Kurzschrift-Systemen von Franz Xaver Gabelsberger (1789-1849) einerseits und Heinrich August Wilhelm Stolze (1798-1867) sowie Ferdinand Schrey (1850-1938) anderseits und unter Rückgriff auf die Ideen von Carl Faulmann (1835-1894) wurde 1924 nach langwierigen Diskussionen die Deutsche Einheitskurzschrift als Kompromisslösung aus der Taufe gehoben.  

Die aktuelle Systemurkunde der Deutschen Einheitskurzschrift „Wiener Urkunde“ wurde als Anlage B der Verordnung des Bundesministers für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten betreffend den Unterricht in Kurzschrift (BGBl. Nr. 171/1969) kundgemacht. 

Da die Meinungen über den heutigen Bedarf an Stenografie angesichts der Möglichkeit von Audio- und Videoaufzeichnungen geteilt sind, verwundert es umso mehr, dass Bücher in Kurzschrift erschienen sind: letztlich ist das Stenogramm ja meist ephemerer Natur und bildet nur die Zwischenstufe zum Typoskript oder zur Textdatei. Erklärbar ist das Buch wohl mit dem damaligen Reiz des Neuen und nicht zuletzt mit den Erfordernissen der Didaktik. 

Wie haben dieses Büchlein zum Objekt des Monats ausersehen, um die von vielen vergessene Kunst der Stenografie in Erinnerung zu rufen. Wer seine Kenntnisse auffrischen möchte, kann natürlich die Wiener Urkunde studieren. Nur zum Ausprobieren bietet sich aber auch ein Kurzschrift-Generator wie https://steno.tu-clausthal.de/ an: wie schreibt man beispielsweise den eigenen Namen in Deutscher Einheitskurzschrift?

Logo 100 Jahre Niederösterreich
weiterführende Links

Ihr Kontakt zur NÖ Landesbibliothek

Amt der NÖ Landesregierung
NÖ Landesbibliothek
Landhausplatz 1, Haus Kulturbezirk 3 
3109 St. Pölten
E-Mail: post.k2bibliothek@noel.gv.at 
Tel: 02742/9005-12835
Fax: 02742/9005-13860  
Letzte Änderung dieser Seite: 3.5.2022
© 2022 Amt der NÖ Landesregierung