Fragen an die Wissenschaft - Science Dialogue


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Frage?

Immer wieder stößt man auf alltägliche Dinge, über die man gerne mehr wissen möchte. Oder man fragt sich, wie die Zukunft aussehen könnte. Manchmal sind es auch komplexe Vorgänge, auf die man gerne eine einfache Antwort hätte.  

Haben Sie auch eine Frage aus dem Alltag, über die Geschichte oder die Zukunft, die Sie beschäftigt?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Sterne leuchten oder Blätter sich im Herbst verfärben. Brauchen wir Gelsen? Wie entsteht eigentlich Schimmel? Wie wird sich die Arbeit in Zukunft verändern? Und wird Krebs irgendwann heilbar sein?

Die Wissenschaft kann Antworten auf viele Fragen der Menschen geben und forscht, um neue Antworten zu finden.

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Aus allen eingelangten Fragen werden die spannendsten ausgewählt und von Forschenden aus niederösterreichischen Wissenschaftseinrichtungen beantwortet. Wöchentlich erscheint eine Frage samt Antwort in der Print-Ausgabe und dem Online-Portal der Niederösterreichischen Nachrichten.


Virus in Vergrößerung
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Fragen zu Corona

Fragen an die Wissenschaft und deren Beantwortung zum Thema Corona-Virus.

Das Wort „Corona“ kommt ursprünglich aus dem Altgriechischem und bedeutet „Krone“. Die Bezeichnung „Coronavirus“ leitet sich von der Außenhülle des Virus ab. Diese hat die Form einer nach außen gerichteten Krone. Der Begriff „Coronavirus“ beschreibt eine Familie von Viren, die diese Hülle aufweist. Das aktuelle Virus hat einen eigenen Namen: SARS-CoV2. SARS steht für Schweres Akutes Atemwegssyndrom. Der eine oder andere kann sich noch an frühere Schlagzeilen erinnern: 2003 gab es einen Ausbruch der SARS-Krankheit. Mit dem dafür verantwortlichen Virus ist das neue Virus eng verwandt. Um dieser Verbindung einen Ausdruck zu verleihen, hat das Virus, wie ein König, eine Zahl als Namenszusatz erhalten – der SARS auslösende Coronavirus der Zweite.

Verena Mayr, Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation

Unter Laborbedingungen kann sich das Virus Stunden bis Tage an einer Oberfläche halten. Der reine Nachweis eines Virus ist für den Alltag nicht wichtig, sondern ob genügend Viren haften bleiben, um sich daran zu infizieren. Coronaviren fühlen sich in feuchter Umgebung wohl. Das neue Coronavirus wird mittels Tröpfcheninfektion, sprich durch Niesen oder Husten, und über unsere Hände weitergegeben. Eine Übertragung über einen Haltegriff in der U-Bahn, der kurz zuvor mit dem Virus kontaminiert wurde, ist als eine Kontaktinfektion denkbar. Jedoch trocknet das Virus an der Oberfläche schnell aus und sein Überleben ist abhängig von weiteren Faktoren (wie z.B. Temperatur). Regelmäßiges Händewaschen zur Vorbeugung einer Infektion bleibt ein Muss.

Verena Mayr, Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation

Coronaviren sind eine Gruppe von Viren, die in der Tierwelt weit verbreitet sind. Selten kommt es zu einer Übertragung von Tier auf Mensch und darauffolgend zur Weitergabe des Virus an andere Menschen. Ein tierischer Ursprung ist beim neuen Coronavirus wahrscheinlich, dabei dürfte die Fledermaus eine besondere Rolle spielen. Die für uns bedeutende Form der Übertragung ist mittlerweile längst die Infektion von Mensch zu Mensch. Aber was ist mit den Tieren, die uns am nächsten sind? Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass sich Haustiere wie Katzen oder Hunde mit dem Virus infizieren oder das Virus auf uns übertragen können. Im Kontakt mit unseren Haustieren ist es dennoch- wie sonst auch- sinnvoll, sich regelmäßig die Hände mit Seife zu waschen.

Verena Mayr, Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation

Kommen wir mit einem Krankheitserreger in Kontakt, reagiert unser Immunsystem mit verschiedenen Maßnahmen. Eine davon ist die Bildung von Antikörpern. Diese merken sich die Oberflächenstruktur des Virus, erkennen und neutralisieren es. Die Abwehrmechanismen sind wichtig für die Ausheilung der Erkrankung und sie können dazu führen, danach gegen den Virus immun zu sein. In einer Studie wurden Rhesus-Affen mit dem neuen Coronavirus infiziert. Nach dem Ausheilen der Krankheit wurden die Tiere erneut dem Virus ausgesetzt. Es kam zu keiner neuen Infektion. Bezogen auf die Länge der Immunität wird, basierend auf Studien von genetisch verwandten Coronaviren, vermutet, dass die Immunität über die Dauer der aktuellen Ansteckungswelle anhalten wird.

Verena Mayr, Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation

Für COVID-19 gibt es weder einen typischen Verlauf, noch eine festgelegte Dauer. Die häufigsten Symptome sind Fieber, Müdigkeit und trockener Husten. Mehr als 80% der Erkrankungen verlaufen mit milder Symptomatik. Die Dauer der Symptomatik ist von Person zu Person unterschiedlich und von der Schwere der Erkrankung abhängig. Aufgrund der bisherigen Erfahrung wird von einem durchschnittlichen Zeitrahmen von 10-14 Tagen ausgegangen. Klinisch gesund ist man dann, wenn man ohne Medikamente symptomfrei ist. Zur Aufhebung der häuslichen Isolation, müssen offizielle Kriterien erfüllt werden. Dies soll eine weitere Ausbreitung verhindern. Die behandelnden Ärzte bzw. die zuständige Behörde informieren Sie im Bedarfsfall über die geltenden Regelungen. 

Verena Mayr, Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation

Die COVID-19-Pandemie sowie die Maßnahmen zur Eindämmung haben deutliche Auswirkungen auf unsere Psyche. Das geht aus einer aktuellen Studie der Donau-Universität Krems an einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe mit über 1000 Personen hervor. Die Häufigkeit depressiver Symptome hat sich von etwa 4 Prozent auf über 20 Prozent vervielfacht. Auch Schlafstörungen und Angstsymptome sind signifikant angestiegen, während Lebensqualität und Wohlbefinden gesunken sind. Besonders betroffen sind Erwachsene unter 35 Jahren, Frauen, Singles und Menschen ohne Arbeit. Menschen, die sich regelmäßig körperlich bewegen, schneiden in allen erhobenen Bereichen deutlich besser ab.

Christoph Pieh, Universitätsprofessor für Psychosomatische Medizin und Gesundheitsforschung an der Donau-Universität Krems

Gibt es in Ländern mit mehr Covid-19-Erkrankten auch mehr Menschen mit psychischen Problemen?

Wir haben eine Studie in Österreich und Großbritannien durchgeführt und konnten zeigen, dass Großbritannien in Bezug auf die psychische Belastung deutlich stärker betroffen ist als Österreich. Schwere depressive Symptome sind in Großbritannien immerhin dreimal häufiger als in Österreich. Großbritannien ist in Bezug auf die Todeszahlen aufgrund von COVID-19 rund 6-mal schwerer als Österreich in Relation zur Einwohnerzahl betroffen. Jedoch sind Ländervergleiche generell sehr vorsichtig zu interpretieren, da viele Faktoren hier eine Rolle spielen. Es scheint aber einen Zusammenhang zwischen der Schwere der Pandemie und der psychischen Gesundheit zu geben.

Christoph Pieh, Universitätsprofessor für Psychosomatische Medizin und Gesundheitsforschung an der Donau-Universität Krems 

Nach dem Stand der Wissenschaft können sich Vögel nicht mit dem neuen Coronavirus infizieren und kommen dementsprechend nicht als Überträger der Krankheit in Frage.

Auswirkungen auf die Vogelwelt gibt es nur indirekt über uns Menschen. Im Frühjahr beginnt die Brut – eine Phase, in der die meisten Vogelarten auf Störung reagieren. Vielerorts sind wir Menschen jetzt in unserer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Daher profitieren besonders scheue Arten wie der Schwarzstorch. Andererseits können viele ihrer Arbeit nicht gewohnt nachgehen und wir beobachten an Schönwettertagen deutlich mehr Erholungssuchende im Grünen. Insgesamt fällt die Bilanz für die Vogelwelt eher positiv aus.

Richard Zink, Vetmeduni, Österreichischen Vogelwarte, Außenstelle Seebarn am Wagram 

Der Shutdown in allen Bereichen unseres Lebens hat auch zu einer starken Reduktion des Verkehrs geführt. Dadurch sind die Belastungen bei dem Schadstoff Stickstoffdioxid NO2 innerstädtisch stark zurückgegangen. An Stationen im Freiland sind die Rückgänge zwar geringer, aber doch auch zu beobachten. Bei Feinstaub PM10 sind die Belastungen nicht zurückgegangen, da dieser Schadstoff von vielen Verursachern produziert wird, nämlich von Hausheizungen, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft. Das Wetter war zwar im März und Anfang April schön, jedoch waren die Nächte kalt und somit wurde viel geheizt. Das ließ die Werte ansteigen und es wurden ähnlich hohe Belastungen verzeichnet, wie in den Jahren zuvor.

Elisabeth Scheicher, Amt der NÖ Landesregierung, Abt. Anlagentechnik, Luftgüteüberwachung


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Eine kleine Auswahl an Antworten finden Sie hier:


Schimmelpilze sind Mikroorganismen die in unserer Umwelt fast überall vorkommen. Durch ungeschlechtliche Vermehrung erzeugen Schimmelpilze Sporen, die sich über die Luft verbreiten können. Finden Pilzsporen passende Bedingungen zum Wachstum vor, z.B. entsprechende Nährstoffe, passender Temperatur- und Feuchtigkeitsbereich, vermehren sie sich rasch. Lebensmittel sind dabei ein ideales Substrat zum Wachstum. Die Vielzahl der Schimmelpilze in der Natur bewirkt, dass manche bei niedrigen Temperaturen (z.B. im Kühlschrank), andere wiederum eher bei Raumtemperatur wachsen. Eine der sichersten Möglichkeit Wachstum zu vermeiden, ist also die Lagerung von Lebensmitteln bei sehr tiefen Temperaturen, z.B. im Gefrierschrank.

Franz Berthiller, Anerkennungspreisträger 2018, Interuniversitäres Department für Agrarbiotechnologie Tulln

Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in Österreich in den letzten 40 Jahren um 10 Jahre gestiegen. Dies ist zum einen dem medizinischen Fortschritt und zum anderen dem steigenden Wohlstand zu verdanken. Wenn es so „langsam“ weitergeht, steht uns noch ein weiter Weg bis zum unendlichen Leben bevor.

Dabei wurde der Beweis für ewiges Leben bereits vor mehr als zehn Jahren erbracht und 2009 mit einem Nobelpreis gewürdigt. Ciliophora, auch Wimpertierchen genannt, sind einzellige Lebewesen, die sich unendlich oft teilen können und dadurch ihr Leben ständig von neuem beginnen können.

Nun besteht der Mensch aber bekanntlich aus mehr als einer Zelle und diese unterscheiden sich auch noch in Art, Funktion und Aussehen. Und genau darin liegt das Problem, denn das Altern ist bei uns Menschen ein komplexer Vorgang, welcher aus unzähligen und teilweise noch unbekannten Einzelprozessen besteht. Bis alles erforscht ist, wird daher noch einige Zeit vergehen in der wir unser endliches Leben genießen können.

Thomas Pekar, FH Wr. Neustadt

Knistergeräusche bei Hochspannungsleitungen sind technisch bedingt und völlig normal. Es handelt sich dabei um elektrische Entladungen rund um die stromführenden Leitungen. Sie treten bei hoher Luftfeuchtigkeit verstärkt auf. Diese Entladungen sind so etwas wie kleine Miniblitze, die wir nicht sehen können und bei denen es nicht donnert, sondern eben nur knistert.

Wir kennen solche Effekte im Alltag, z.B. hören wir es manchmal auch knistern, wenn wir einen Wollpullover über die Haare ziehen. Hier ist die Ursache auch eine elektrische Spannung, die aber nicht gefährlich ist.

Stefan Zach, Leiter Information und Kommunikation, EVN Konzern

Der Einhorn-Mythos hat seinen Ursprung vermutlich im indischen Heldenepos Mahabharata aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., das von einem Einsiedler erzählt, der halb Mensch und halb Gazelle ist und ein Horn auf der Stirn trägt. Der griechische Arzt und Historiker Ktesias von Knidos übernimmt das um 400 v. Chr. in seine Beschreibung Indiens, die sich rasch im griechischen Kulturraum verbreitet – Alexander der Große soll ebenso zu ihren Lesern gezählt haben wie sein Lehrer Aristoteles, der das monókeros in einer zoologischen Abhandlung erwähnt. Da Aristoteles in den folgenden Jahrhunderten als absolute wissenschaftliche Autorität gilt, verbreitet sich das Wissen vom Einhorn nun unaufhaltsam in Europa und wird im Laufe der schriftlichen Überlieferung immer mehr mit Details angereichert. Am nachhaltigsten geschah das im Physiologus („Naturforscher“), einem christlich-naturkundlichen ‚Bestseller‘ aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., der das Einhorn als kleines wildes Tier beschreibt, das nur mithilfe einer keuschen Jungfrau zu fangen ist und dessen Horn magische Heilkräfte hat: die Basis für eine lange Karriere als (christliches) Symboltier.

Gabriele Schichta, Institut für Realienkunde des Mittelalters und der Frühen Neuzeit


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Letzte Änderung dieser Seite: 27.5.2020
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